4. Die Zehn Gebote
Da haben wir den Hinweis darauf, in dem einzelnen Ich das Urbild des «Ich», das Nachbild des göttlichen Ur-Ich zu erkennen, und zugleich den Hinweis darauf, daß derjenige, der so sein Ich als Göttliches erkennt, frei wird von der Art, wie die Menschen im alten Ägypterlande ihren Führern gegenüberstanden. «Ich habe dich aus dem Lande Ägypten geführt, wo du nicht Mir in dir folgen konntest» Dem Willen der Eingeweihten folgte man da, da war der Mensch nicht frei. Diese Eingeweihten wendeten ihre psychischen Kräfte an, denen man folgte. Die erste Morgenröte jener menschlichen Freiheit, die dann als die Freiheit der Gnade im Christentum heraufgekommen ist, zeigt sich in diesem Hinweis: «Ich habe dich aus dem Lande Ägypten geführt, wo du nicht Mir in dir folgen konntest.» «Fortan sollst du andere Götter nicht über mich stellen.» Gerade darum, damit das jüdische Volk das große vorbereitende Volk werden konnte für die Kundgebung im Christentum, mußte klargelegt werden, daß alle anderen Darstellungen des Göttlichen, des Urbildes des Ich, wegfallen mußten. Was äußere Gestalt eines Göttlichen ist, seien es selbst die Sternbilder oder irgend etwas anderes, das mußte wegfallen. Durch gar nichts soll das Göttliche abgebildet werden, denn der Mensch soll, damit er frei wird, damit er den Quell von allem, was in ihm ist, findet: er soll alles, was er empfinden kann über das Göttliche, in seinem Ich als dem Nachbilde des großen Welten-Ichs empfinden. «Du sollst nicht als höhere Götter anerkennen, was dir ein Abbild zeigt von etwas, das oben am Himmel scheint, das aus der Erde heraus oder zwischen Himmel und Erde wirkt.» Ein bildloses Göttliches! Der einzige berechtigte Ausdruck dafür ist das menschliche Ich, das Abbild des «Ich bin der Ich-bin». «Du sollst nicht anbeten, was von alldem unter dem Göttlichen in dir ist.»
Cite:
GA 108/1908-12-14/p019 · edition original