4. Die Zehn Gebote
«Suche nie, eine unrichtige Vorstellung von Mir zu bekommen; bewahre das Richtige in dir, als Vorstellung von Mir, dann pflanzest du in dem Blute Gesundheit von Geschlecht zu Geschlecht fort.» Eine richtige medizinische Vorstellung ist damit verbunden, denn derjenige, der dieses Gebot gab, verband damit die Vorstellung, daß dann, wenn der Mensch eine reine Vorstellung von seinem Zusammenhang mit dem Göttlichen hat, auch eine gesundende Ich-Vorstellung durch das Blut fließt, und das Volk von Generation zu Generation gesund bleibt. Wir bekommen keine richtige Vorstellung von dem lebensvollen Gehalt dessen, was Moses seinem Volk gab, als er die Gesetze verkündete, wenn wir bloß begrifflich denken, was er sagte. Nein, es wird gesagt unter der Voraussetzung, daß der richtige Gedanke eine wirkende Realität ist. «Wenn du dir eine falsche Vorstellung von dem Göttlichen machst, dann wird sich das von Geschlecht zu Geschlecht vererben, so daß es sich als Krankheit, als Siechtum äußert.» Richtige Gedanken bewirken Gesundheit, falsche aber Krankheit. Das ist eine im echten Sinn anthroposophisch oder okkult gehaltene Vorstellung. Das alles muß man bedenken, sonst bekommt man keinen richtigen Begriff, keine richtige Vorstellung gegenüber diesem ersten Gebot. Es wird dem jüdischen Volke darin aufgetragen: Stelle dir ja nicht deinen Gott vor unter einem falschen Bilde. Wenn ihr vor dem goldenen Kalb hinkniet, dann fließt eine falsche Vorstellung vom Gotte in euch ein, und dies falsche Gottesbild erzeugt, indem es mit dem Blute durch die Generationen hinunterzieht, die fortwirkende Sünde, die dann in Krankheit übergeht. «Wenn du Mich nicht in dir erkennst, werde Ich als dein Göttliches verschwinden bei Kindern und Enkeln und Urenkeln, und deren Leiber werden veröden.» Du erzeugst lebensfähige Kinder, Enkel und Urenkel, wenn du die richtige Vorstellung des Göttlichen aufnimmst; sonst aber stirbt das aus, was vom Blute abhängt. Indem du in deinem Ich Mich, den Urquell des Ich, richtig erkennst, geht eine Kraft über von Geschlecht zu Geschlecht, denn ein fortwirkendes Göttliches bin Ich. Aus den Leibern verschwinde Ich, wenn Ich in falscher Vorstellung in euch lebe. Das ist wiederum eine ganz okkult medizinische Anweisung. «Wenn du Mich in dir erkennst, werde Ich bis ins tausendste Glied fortleben, und die Leiber deines Volkes werden geläutert und deshalb gedeihen.» So wird das Physische gedeihen, im echt okkulten Sinne, wenn der Mensch an die richtige Vorstellung des Geistigen anknüpft. Damit zieht zugleich ein Hauch menschlicher Freiheit ein in die Menschenentwickelung: gerade auf die Spitze sozusagen des fortwirkenden Ich wird die Menschheit gestellt, und dann angeknüpft dieses Ich an das Göttliche. Das läßt sich mit keiner anderen Gesetzgebung vergleichen, und es ist ein reiner Dilettantismus, wenn man diese Zehn Gebote zusammenstellt mit anderen Gesetzgebungen und einseitig erklärt, weil sie sich äußerlich in Worten ähneln, sie seien dasselbe. Die Gesetzgebung der Zehn Gebote vom Sinai ist einzigartig und läßt sich nur aus der einzigartigen Sendung des Moses erklären. Und wie bei diesem ersten Gebot, so ist es bei allen anderen Geboten, wenn wir sie richtig übersetzen. Es wird uns aus allen der ganze Geist der Sendung des Moses klar, in bezug auf den Ich-Impuls, der jetzt in die Menschheit eingegossen werden soll.
Cite:
GA 108/1908-12-14/p021 · edition original