Okkulte Geschichte I

GA 108/1908-12-16/p021 ·1908-12-16 · original (original)
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In demselben Augenblick, wo die Jesus-von-Nazareth-Hülle auf Golgatha starb, da geschah etwas, was nicht etwa bloß eine Legende ist, sondern was heute noch von jedem, der dazu die nötige Vorbereitung hat auf dem Wege der Geisteswissenschaft, nachgeprüft werden kann. In demselben Augenblick, wo der Tod am Kreuze eintrat, da erschien der Christus in der anderen Welt bei den Toten, bei denen, die waren zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und es war wie ein blitzartiger Einschlag in dem Moment auf jener anderen Seite der Welt. Es wirkte wie ein Blitz, wie erhellend das bis zum Schattendasein abgemattete Leben im Jenseits, dieses Erscheinen des Christus. Denn zum ersten Male konnte jetzt etwas verkündet werden in der Welt nach dem Tode, was anders war als dasjenige, was die früheren Eingeweihten verkünden konnten, wenn sie hinübergingen in die jenseitige Welt. Noch ein Eingeweihter der Eleusinischen Mysterien hätte höchstens verkünden können von den Schönheiten der physischen Welt, die der Tote nicht mehr sehen konnte und erst recht hätte er die Sehnsucht erweckt nach dem Physischen. Er würde den Toten nichts besonderes gebracht haben, wenn er ihnen verkündet hätte dasjenige, was in der fleischlichen Welt sich abspielte. Das aber war die erste Verkündigung, die der Christus bei den Toten tun konnte davon, daß in der Welt des Diesseits, zwischen Geburt und Tod, sich etwas abgespielt hat, was nicht nur Bedeutung für das Diesseits hat, sondern hinein sich fortsetzt in das jenseitige Leben. Was drüben in der physischen Welt geschehen war, war ein Ereignis, das hinüberlebte in die geistige Welt. Und das können wir im einzelnen erleben, wie es hinüberwirkt. Wenn wir den schönsten Tempel, das schönste Kulturwerk der alten griechischen Zeit in der diesseitigen Welt betrachten und Seligkeit dadurch erleben - es verblaßt und ist nicht mehr da in der jenseitigen. Wenn wir uns aber in das Johannes-Evangelium vertiefen oder in die Apokalypse, die da verkündigen die Ereignisse, die anknüpfen an das Mysterium von Golgatha, dann erleben wir hier Großes in der diesseitigen Welt. Wir können da wunderbare Erlebnisse haben, wenn wir sie auf uns wirken lassen, wenn das hellseherische Bewußtsein sie auf sich wirken läßt, und wenn wir dann hinüberleben in die geistige Welt, dann blassen die Empfindungen nicht ab, sondern setzen sich fort und werden erst herrlich und verständlich in der geistigen Welt. Dort haben wir es noch herrlicher, was anknüpft an das Ereignis von Golgatha.

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Cite: GA 108/1908-12-16/p021 · edition original