Okkulte Geschichte I
So ist es nicht mit allem, was sich daran anknüpft. Mögt Ihr noch so sehr bewundern die Pyramiden, nur ein schwacher Nachklang kann drüben in der jenseitigen Welt empfunden werden; möge man aufgehen in Wonne beim Anblick eines griechischen Tempels oder einer griechischen Tragödie, nichts pflanzt sich hinüber in die jenseitige Welt, weder für einen Eingeweihten noch für den Nichteingeweihten. Steht Ihr aber vor einem Bild des Raffael, in dem die christlichen Wahrheiten verarbeitet sind: Ihr nehmt des Bildes schönsten Teil mit hinüber in die geistige Welt, und drüben gehen Euch auf die Dinge, die Ihr hier noch gar nicht sehen könnt. Drüben werden sie zu einem Licht, das die geistige Welt neu aufhellt, und so war durch das Ereignis von Golgatha das erste Aufleuchten mit der Erscheinung des Christus in der Welt der Schatten. Und immer mehr und mehr, durch alles, was durch das Christentum in die Welt gekommen ist, wird es aufleuchten in der geistigen Welt. In dieser Weise steigt die Kultur herunter von den Höhen der atlantischen Welt bis zur griechisch-lateinischen Zeit, wo die Menschen in bezug auf das Erleben in der geistigen Welt am meisten in der Dekadenz waren, und wo sie am tiefsten in die materielle Welt sanken. Am ödesten empfanden die Menschen der damaligen Zeit das Dasein zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt. Jetzt fiel mit dem Erscheinen des Christus in der «Unterwelt» der große Lichtimpuls hinein; immer heller und heller wird das Dasein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nun geht es hinauf; es beginnt die aufsteigende Richtung in der Geschichte des jenseitigen Lebens. Das Christentum ist heute erst im Anfang. Immer mehr und mehr wird es sich zeigen, daß durch dasjenige, was der Mensch hier erleben kann, er immer geistiger und geistiger wird, daß er mitnimmt, was er in Anknüpfung an dieses Ereignis von Golgatha hier erlebt, in die jenseitige Welt, daß es in der geistigen Welt eine aufsteigende Richtung gibt.
Cite:
GA 108/1908-12-16/p022 · edition original