{"corpus":"steiner","locus":"GA 109/1909-05-25/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Ägypter hatte die Vorstellung, daß er sich im Tode mit Osiris vereinigt. Er sagte sich: Einstmals, in alten Zeiten, konnte die Seele drüben schauen. Jetzt hat sie die Kraft verloren, aber sie kann sich dafür einen Ersatz schaffen, wenn sie hier im Leben sich solche Eigenschaften aneignet, daß sie Osiris immer ähnlicher wird. Dann wird sie selbst eine Art Osiris und wird mit ihm nach dem Tode vereint sein. So hatte sich die Seele durch Anklammern an Osiris einen Ersatz zu schaffen versucht für das, was sie nicht mehr aus alten Zeiten erhalten konnte. Aber was Osiris der Seele nicht geben kann, das zeigt die ägyptische Legende, die sagt, daß Osiris einst mit den Menschen zusammen die Erde bewohnte. Dann aber wurde er von seinem bösen Bruder Seth in einen Kasten gesperrt, wie in einen Sarg. Das will sagen, daß Osiris einstmals, als die Menschen noch geistiger waren, mit ihnen zusammen war auf der Erde; doch dann mußte er in der geistigen Welt verbleiben, weil er zu gut war für die physische Menschengestalt. Ein solches Wesen muß die Seele werden, ein Wesen, das zu gut ist für die Menschengestalt, wenn diese Seele sich einen Ersatz verschaffen wollte für die geistige Kraft des Schauens zwischen Tod und neuer Geburt. Durch das Ähnlichwerden mit Osiris konnte die Seele drüben ihre Einsamkeit überwinden, doch sie konnte nicht das, was sie so erhielt in der geistigen Welt durch die Gemeinschaft mit Osiris, wieder mitbringen in eine neue Verkörperung, denn Osiris paßte ja nicht hinein in diese sinnlich-physische Verkörperung. Erträglich machte sich die Seele das Dasein zwischen Tod und neuer Geburt, aber sie konnte nichts von dem mitbringen in eine neue Inkarnation.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Gott des Alpha und der Gott des Omega","site_heading":null,"date":"1909-05-25","location":null,"word_count":278,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/109/1909-05-25/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/109/1909-05-25/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/109/1909-05-25/p018","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}