Das Wesen des Menschen
Gestern versuchte ich, Ihnen einen Überblick zu geben über die verschiedene Art der Beseelung der uns umgebenden Welt. Heute wollen wir uns über das Wesen des Menschen selbst genauer orientieren. Mancherlei schon Bekanntes wird auch hier erwähnt werden müssen. Wir wollen uns zunächst Tatsächliches aus dem Wesen des Menschen in solcher Art vor Augen führen, wie es sich am besten in das Bild hineinstellt, das ich Ihnen gestern geben konnte. Da werden wir dann sehen, wie der Mensch aus dem ersten Reich, das uns umgibt und das wir als das Mineralreich charakterisiert haben, in bezug auf seinen niedrigsten Leib zunächst wie aus ihm herausgewachsen erscheint. Betrachten wir den Menschen, wie er vor uns steht, so ist das erste, was wir an ihm wahrnehmen, das Handgreiflichste: sein physischer Leib. Für die okkulten Forscher aber ist dieses nur ein Glied seiner Menschennatur. Es ist leicht, sich über diesen physischen Leib eine falsche Vorstellung zu machen, wenn man denkt, der physische Leib sei eben das, was man mit Augen sehen, mit Händen greifen kann. Man begeht damit denselben Fehler, wie wenn man Wasserstoff für Wasser ansehen wollte. Diesem physischen Menschenleib sind nämlich schon die höheren Glieder beigemischt. So wie er uns physisch entgegenttritt, ist dieser physische Menschenleib schon von den andern Gliedern der Menschennatur durchdrungen, so daß dasjenige, was uns da als Fleisch und Knochen entgegentritt, nicht ohne weiteres der physische Leib genannt werden kann. Dieser physische Menschenleib ist zwar das, was aus denselben Stoffen und Kräften besteht wie dasjenige, was Sie draußen in der mineralischen Welt haben, in kunstvollem Bau sind diese selben Stoffe und Kräfte zusammengefügt im Menschenleib, doch daß er so aussieht, sich so anfühlt, wie er es tut, das rührt davon her, daß ihm schon die andern Wesensglieder beigemischt sind. Was das Auge vom physischen Menschenleib sieht, das ist eigentlich nicht der physische Leib. Der ist als solcher vorhanden, wenn der Mensch eben durch die Pforte des Todes gegangen ist: der Leichnam, das ist der eigentliche physische Leib, das, was befreit ist von all den Gliedern der höheren Menschennatur. Wenn er sich überlassen ist, dieser physische Leib, so folgt er ganz andern Gesetzen als bis zu diesem Augenblick. Bisher hat er eigentlich stets den physikalisch-chemischen Gesetzen widersprochen. Der Körper des Menschen würde im irdischen Leben jeden Augenblick Leichnam sein, wenn er nicht dauernd durchzogen wäre vom Ätherleib, der ein Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes das ganze Leben hindurch. Der Äther- oder Lebensleib ist das zweite Glied der menschlichen Wesenheit.
Cite:
GA 109/1909-06-05/p003 · edition original