Das Wesen des Menschen
Indem wir so die viergliedrige Wesenheit des Menschen betrachtet haben, haben wir uns gleichzeitig das vor Augen geführt, was der Mensch sozusagen von den höheren Welten mitbekommen hat, ganz gleichgültig, auf welcher Entwickelungsstufe er steht. Dadurch, daß er diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit hat, dadurch ist er eben Mensch. Jetzt erst, wenn das Ich an den drei andern Leibern arbeitet, beginnt die Arbeit des Menschen selbst. Ein Mensch steht höher oder niedriger in seiner Entwickelung, je nachdem er seine Arbeit an den drei niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit vollbringt. Es beginnt das Ich zuerst am Astralleib zu arbeiten. Diese Arbeit drückt sich an einem niedrigerstehenden Menschen und an einer hochstehenden Persönlichkeit, wie Schiller etwa, sehr verschieden aus. Der eine hat an der Umwandlung seines Astralleibes weniger geleistet als der andere. Diese innere Arbeit an sich selbst nennt man in der Geheimsprache die Läuterung oder Reinigung: Katharsis. In dieser Weise arbeitet das Ich an der Vervollkommnung des Astralleibes. Bei allen Menschen finden Sie daher, daß der Astralleib in zwei Teile zerfällt: der eine Teil ist durchgearbeitet, geläutert, der andere nicht. Nehmen wir nun an, das Ich arbeitet unentwegt weiter am astralischen Leib, dann wird der Mensch allmählich dahinkommen, nicht mehr sich gebieten zu müssen, das Gute zu tun, sondern das Gute zu tun wird ihm zur Gewohnheit werden. Es ist nämlich ein Unterschied, ob der Mensch nur einem Gebot folgt, oder so stark in der Liebe ist, daß er gar nicht anders kann, als das Gute, das Gescheite, das Schöne zu tun. Folgt der Mensch nur dem Gebot, so arbeitet das Ich am Astralleibe; wird ihm aber das Gute zur Gewohnheit, so bearbeitet das Ich bereits auch den Ätherleib.
Cite:
GA 109/1909-06-05/p011 · edition original