Das Wesen des Menschen

GA 109/1909-06-05/p019 ·1909-06-05 · original (original)
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Auch dasjenige wollen wir uns nun vom Menschen ansehen, was da bei Nacht außerhalb seines Leibes ist: der Astralleib und das Ich. Wir wissen, daß im Astralleibe Triebe, Begierden und Leidenschaften wurzeln, aber der Mensch nimmt diese in der Nacht nicht wahr. Woher kommt das? Weil der Astralleib und das Ich des Menschen in der gegenwärtigen Entwickelung keine Organe haben, um wahrzunehmen. Nur mit den physischen Organen kann der gegenwärtige Mensch wahrnehmen. Denn so viele Organe der Mensch hat, so viele Welten eröffnen sich ihm, sind um ihn. Hat er ein Organ mehr, so erschließt sich ihm eine neue Welt. Der Astralleib des Menschen hat, wenn der Mensch noch nicht hellseherisch geworden ist, noch keine Organe, deshalb nimmt der Mensch in der Nacht auch nichts wahr. Wir können uns leicht denken, daß der Mensch da ohne Sinne sein kann. Wir wissen, es gibt Blinde und solche, denen andere Sinne fehlen; keine Welt ist für den Menschen da, wenn er sich nicht seiner Sinne bedienen kann. Daher ist am Morgen, wenn der Mensch sich wieder der physischen Sinne bedienen kann, die Welt wieder um ihn herum da. Anders aber ist es beim Tode. Der Ätherleib und der physische Leib bleiben während des ganzen Lebens miteinander verbunden; im Tode nun geht der Ätherleib in der Regel zum ersten Male heraus und verläßt den physischen Leib. Der Moment des Todes wird daher von dem, der davon etwas weiß, als der Moment des Rückblicks geschildert, wo das ganze verflossene Leben wie ein Panorama am Menschen vorbeizieht. Warum? Weil der Ätherleib der Träger des Gedächtnisses ist und dieses Gedächtnis nun frei wird. Solange der Ätherleib im physischen Leib ist, kann er nicht seine ganze Kraft entfalten, sondern nur so viel davon entwickeln, als das physische Instrument zuläßt. Jetzt aber, im Tode, wird er frei und kann ohne den physischen Leib das entwickeln, was in der ganzen Lebenszeit in ihn eingeschrieben worden ist. Auch durch einen Schock, bei dem aber den Menschen das Bewußtsein nicht wie nach dem Tode verlassen darf, kann dieses Panorama eintreten, zum Beispiel bei Todesgefahr. Das ist aber ein Ausnahmefall.

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