Die physische Welt als Ausdruck geistiger Wirkungen und Wesen
Wenn wir uns ein ungefähres Bild machen wollen von dem, was in den geistigen Welten sich vorfindet und da heruntersteigt, so müssen wir sagen: Das sich verkörpernde Individuum führt die sich Liebenden zusammen. - Das Urbild, das sich verkörpern will, hat sich ja die Astralsubstanz angegliedert, und diese Astralsubstanz wirkt nun hinein in die Liebesleidenschaft, in das Liebesgefühl. Das, was unten auf der Erde hin und wider wogt als astralische Leidenschaft, das spiegelt in sich wieder das Astralische des heruntersteigenden Wesens. Also der astralischen Substanz von oben kommt das astralische Gefühl der Liebenden entgegen; es wird beeinflußt von der Substanz dessen, was zur Verkörperung niedersteigt. Wenn wir diesen Gedanken ganz durchdenken, so müssen wir sagen: Der sich wiederverkörpernde Mensch ist durchaus beteiligt an der Wahl seiner Eltern. Je nachdem er ist, wird er hingetrieben zu dem betreffenden Elternpaar. Der Einwand ist billig, daß man behauptet: mit solcher Begründung der Auswahl der Eltern verliere man das Gefühl, in seinen Kindern wieder zu erstehen, und daß die Liebe, die sich darauf gründet, den Kindern das Ureigene verliehen zu haben, sich dadurch verringere. Das ist eine grundlose Furcht; denn diese Mutter- und Vaterliebe wird in einem viel höheren und schöneren Sinne aufgefaßt, wenn wir sehen, daß das Kind in einem gewissen Sinne die Eltern vorher liebt, schon vor der Befruchtung, und dadurch zu ihnen hingetrieben wird. Die Elternliebe ist also die Antwort auf die Liebe des Kindes, sie ist die Gegenliebe. So haben wir eine Erklärung der Elternliebe als Wiedergabe dessen, was als kindliche Liebe vor der physischen Menschheitsentstehung gegeben ist.
Cite:
GA 109/1909-06-07/p010 · edition original