From Buddha to Christ II
Betrachten wir einmal die Entwickelungsphasen der Menschheit, indem wir sechshundert Jahre vor dem Erscheinen des Christus Jesus auf unserer Erde zurückgehen, bis sechshundert Jahre nach diesem Ereignis. Sechshundert Jahre vor Christus verkörperte sich in der Persönlichkeit des Siddharta Gautama die hohe Wesenheit des Buddha, der durch seine Weisheit Millionen von Menschen eine herrliche Lehre brachte. Er war ein Königssohn, von früher Jugend auf behütet und beschirmt worden vor allem Elend, Laster und jeglichem Leiden, das die Welt mit sich bringt. Als er zum Jüngling herangereift war und es ihm gelang, die Grenzen des Gartens seines Palastes zu überschreiten, trat ihm zum erstenmal das Leben in seiner ganzen Wirklichkeit entgegen. Er begegnete einem in Lumpen gehüllten Bettler und einem Kranken, und zuletzt sah er einen Leichnam; er zog daraus die Erfahrung, daß alles auf der Erde nur Leiden sei. Geburt ist Leiden, Tod ist Leiden, Getrenntsein von seinen Lieben ist Leiden, Vereintsein mit denen, die man nicht liebt, ist Leiden, Nichterhalten, was man wünscht, ist Leiden, und Erhalten, was man nicht begehrt, ist Leiden. Er sagt deshalb: Alles Irdische ist nichtig, darum soll der Mensch das Leben verneinen, sich loslösen von allem, was irdisch ist; den Durst nach Dasein soll man auslöschen, denn alles ist Maja. — Er kehrte nicht wieder in seinen Königspalast zurück, sondern ging in die Wüste.
Cite:
GA 109/1909-06-14/p007 · edition original