{"corpus":"steiner","locus":"GA 11/l07/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun fällt diese Tatsache mit einem großen Weltereignisse zusammen, mit dem es ursächlich verknüpft ist. Bisher war zwischen Sonne, Erde und Mond keine materielle Trennung. Diese drei waren in ihrer Wirkung auf den Menschen *ein* Körper. Jetzt trat die Trennung ein; die feinere Stofflichkeit, die alles in sich schließt, was vorher der Seele die Möglichkeit gegeben hatte, unmittelbar belebend zu wirken, sonderte sich als Sonne ab; der derbste Teil trat als Mond heraus; und die Erde hielt mit ihrer Stofflichkeit die Mitte zwischen beiden. Natürlich war diese Trennung keine plötzliche, sondern der ganze Prozeß vollzog sich allmählich, während der Mensch von dem Zustande der Fortpflanzung durch Teilung bis zu dem zuletzt geschilderten vorrückte. Ja, gerade durch die genannten Weltprozesse wurde diese Fortentwickelungsvorgang des Menschen bewirkt. Zuerst zog die Sonne ihre Stofflichkeit aus dem gemeinsamen Weltkörper heraus. Dadurch wurde dem Seelischen die Möglichkeit entzogen, die zurückbleibende Erdmaterie unmittelbar zu beleben. Dann fing der Mond an, sich herauszubilden. Dadurch kam die Erde in den Zustand, der das charakterisierte Empfindungsvermögen gestattete. — Und im Verein mit diesem Fortgang entwickelte sich auch ein neuer Sinn. Die Wärmeverhältnisse der Erde wurden solche, daß die Körper allmählich die feste Begrenzung annahmen, die Durchsichtiges von Undurchsichtigem trennte. Die aus der Erdmasse herausgetretene Sonne erhielt ihre Aufgabe als Lichtspenderin. Im Menschenleibe entstand der Sinn des Sehens. Zunächst war dieses Sehen nicht ein solches, wie wir es heute kennen. Licht und Dunkelheit wirkten als unbestimmte Gefühle auf den Menschen. Er empfand zum Beispiel das Licht unter gewissen Verhältnissen als behaglich, sein Leibesleben fördernd, und suchte es auf, strebte ihm zu. Dabei verlief das eigentliche Seelenleben noch immer in traumhaften Bildern. In diesem Leben stiegen Farbenbilder auf und ab, die sich nicht unmittelbar auf äußere Dinge bezogen. Diese Farbenbilder bezog der Mensch noch auf seelische Wirkungen. Helle Farbenbilder erschienen ihm, wenn ihn angenehme seelische Wirkungen trafen, finstere Bilder, wenn er von unangenehmen seelischen Einflüssen berührt wurde. — Es ist in dem bisherigen das, was durch das Auftreten der Eigenwärme bewirkt worden ist, als «Innenleben» bezeichnet worden. Man sieht aber, daß es ein Innenleben im Sinne der späteren Menschheitsentwickelung noch nicht ist. Alles geht stufenweise vor sich, auch die Entwickelung des Innenlebens. In dem Sinne, wie das im vorigen Aufsatz gemeint ist, tritt dieses wahre Innenleben erst auf, wenn die Befruchtung mit dem Geiste kommt, wenn der Mensch beginnt zu denken über das, was von außen auf ihn wirkt. — Aber alles, was hier geschildert wurde, zeigt, wie der Mensch hineinwächst in den Zustand, der im vorigen Abschnitt dargestellt worden ist. — Und man bewegt sich eigentlich schon in der Zeit, die dort charakterisiert worden ist, wenn man das folgende beschreibt: Immer mehr lernt die Seele das, was sie vorher in sich erlebt und nur auf Seelisches bezogen hat, auf das äußere körperliche Dasein anwenden. Das geschieht nun mit den Farbenbildern. Wie früher ein sympathischer Eindruck eines Seelischen mit einem Farbenbilde von heller Art in der eigenen Seele verknüpft wurde, so jetzt ein heller Lichteindruck von außen. Die Seele fing an, die Gegenstände um sich her farbig zu sehen. Das war verknüpft mit der Ausbildung neuer Sehwerkzeuge. Zu dem unbestimmten Fühlen des Lichtes und der Dunkelheit in früheren Zuständen hatte der Leib ein heute nicht mehr vorhandenes Auge. (Die Sage von den Zyklopen mit dem einen Auge ist eine Erinnerung an diese Zustände.) Die beiden Augen entwickelten sich, als die Seele anfing, die äußeren Lichteindrücke intimer mit ihrem Eigenleben zu verbinden. Es verlor sich damit das Wahrnehmungsvermögen für das Seelische in der Umgebung. Die Seele wurde immer mehr und mehr zum Spiegel der Außenwelt. Diese Außenwelt wird als *Vorstellung* im Innern der Seele wiederholt. — Hand in Hand damit ging die Trennung der Geschlechter. Auf der einen Seite wurde der Menschenleib nur empfänglich für die Befruchtung durch ein anderes Menschenwesen, auf der anderen entwickelten sich die körperlichen «Seelenorgane» (Nervensystem), durch welche die sinnlichen Eindrücke der Außenwelt in der Seele abgespiegelt wurden. — Und damit war der Einzug des denkenden Geistes in den Menschenleib vorbereitet.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"VII. Die hyperboräische und die polarische Epoche","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":663,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/11/l07/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["RSPI1959","TPS1911"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/11/l07/p010"},{"lang":"en","edition":"RSPI1959","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/11/l07/p010"},{"lang":"en","edition":"TPS1911","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/11/l07/p010?edition=TPS1911"}]}