XV. Das Leben dem Monde
Im Weltzeitalter des Mondes, welches auf dasjenige der Sonne folgt, entwickelt der Mensch seinen dritten von den sieben Bewußtseinszuständen. Der erste hat sich während der sieben Saturnkreisläufe herausgebildet, der zweite während der Sonnenentwickelung; der vierte ist derjenige, den der Mensch eben jetzt während des Erdenlaufs allmählich entfaltet; drei weitere werden auf folgenden Planeten zum Dasein kommen. Den Bewußtseinszustand des Saturnmenschen kann man mit keinem solchen des gegenwartigen Menschen vergleichen, denn er war dumpfer als derjenige des traumlosen Schlafes. Das Sonnenbewußtsein aber ist diesem traumlosen Schlafzustand zu vergleichen oder auch dem gegenwärtigen Bewußtsein der €“ schlafenden €“ Pflanzenwelt. Doch hat man es da immer nur mit Ähnlichkeiten zu tun. Es wäre ganz unrichtig, wenn man glauben wollte, daß sich irgend etwas mit völliger Gleichheit in den großen Weltzeitaltern wiederhole. — So hat man es auch aufzufassen, wenn jetzt das Mondenbewußtsein mit demjenigen verglichen wird, mit dem es einige Ähnlichkeit hat, nämlich mit dem des traumerfüllten Schlafes. Es ist das sogenannte Bilderbewußtsein, bis zu dem es der Mensch auf dem Monde bringt. Die Ähnlichkeit besteht darin, daß sowohl beim Monden wie auch beim Traumbewußtsein im Innern des Wesens Bilder aufsteigen, welche ein gewisses Verhältnis haben zu Dingen und Wesen der Außenwelt. Doch sind diese Bilder nicht wie beim gegenwärtigen wachenden Menschen Abbilder dieser Dinge und Wesen. Die Traumbilder sind Nachklänge an die Tageserlebnisse oder sinnbildliche Ausdrücke für Vorgänge in der Umgebung des Träumers oder wohl auch für das, was im Innern der Persönlichkeit vorgeht, welche den Traum hat. Beispiele für die drei Fälle in den Traumerlebnissen sind leicht anzugeben. Zunächst kennt da jeder diejenigen Träume, die nichts weiter sind als verworrene Bilder von mehr oder weniger weit zurückliegenden Tageserlebnissen. Für den zweiten Fall ist ein Beispiel, wenn der Träumer glaubt einen vorübereilenden Eisenbahnzug wahrzunehmen und dann beim Aufwachen merkt, daß das Ticken der neben ihm liegenden Uhr sich in diesem Traumbild versinnlicht hat. Als Beispiel für die dritte Art von Traumbildern kann gelten, wenn jemandem vorkommt, er befinde sich in einem Gemache, das oben an der Decke häßliche Tiere beherbergt, und wenn ihm beim Erwachen aus diesem Traume klar wird, daß sich sein eigener Kopfschmerz in dieser Weise ausgedrückt hat. — Will man nun von solchen verworrenen Traumbildern aus zu einer Vorstellung des Mondenbewußtseins kommen, so muß man sich klarmachen, daß der Charakter der Bildhaftigkeit auch da vorhanden ist, daß aber an Stelle der Verworrenheit und Willkürlichkeit volle Regelmäßigkeit herrscht. Zwar haben die Bilder des Mondenbewußtseins eine noch geringere Ähnlichkeit mit den Gegenständen, auf die sie sich beziehen, als die Traumbilder: aber es findet dafür ein vollkommenes Entsprechen von Bild und Gegenstand statt. Gegenwärtig innerhalb der Erdenentwickelung handelt es sich darum, daß die Vorstellung ein Abbild ihres Gegenstandes ist, so ist zum Beispiel die Vorstellung «Tisch» ein Abbild des Tisches selbst. Dies ist nicht so beim Mondenbewußtsein. Man nehme zum Beispiel an, der Mondmensch nähere sich einem Dinge, das ihm sympathisch oder vorteilhaft ist. Dann steigt im Innern seiner Seele ein Farbenbild mit hellem Charakter auf; kommt etwas ihm Schädliches oder Unsympathisches in seine Nähe, dann hat er ein häßliches, finsteres Bild. Die Vorstellung ist nicht ein Abbild, sondern ein solches Sinnbild des Gegenstandes, das in ganz bestimmter gesetzmäßiger Art dem Gegenstand entspricht. Infolgedessen kann das Wesen, das solche sinnbildliche Vorstellung hat, sein Leben danach regeln. — das Seelenleben des Mondenvorfahren verlief also in Bildern, welche mit den gegenwärtigen Träumen das Flüchtige, Schwebende und Sinnbildliche gemein haben, sich aber von diesen durch den vollkommen gesetzmäßigen Charakter unterscheiden.