Erster Vortrag
Die Botschaften sind dagewesen, sie liegen vor in den Evangelien, in den anderen christlichen Schriften, welche in erneuerter Gestalt die Weisheit der heiligen Rishis enthielten, enthielten so wie neugeboren aus dem Jungbrunnen. Aber wie konnten diese Botschaften vom Anfange an gerade in dem Zeitalter, für dessen Läuterung das Christentum geschaffen war, verstanden werden? Das aller-, allerwenigste wurde verstanden von der Verkündigung durch die Evangelien, und nach und nach arbeiten diese Evangelien sich erst durch zu einem weiteren Verständnis — in vieler Beziehung zu einer weiteren Verdunkelung. Und heute sind gerade die Evangelien im Grunde genommen diejenigen Bücher, die sozusagen für die Menschheit noch in ihren weitesten Kreisen die versiegeltsten sind; die erst eine Zukunft, die sich erfrischen kann an der Urweltweisheit, wiederum verstehen wird. Bewahrt aber wurden die Schätze, die in den Schächten der christlichen Offenbarung liegen — und die keine anderen Schätze sind als die Schätze der östlichen Weisheit auch, aber eben aus neuen Kräften wieder herausgeboren -—, bewahrt wurden sie wiederum in engeren Kreisen, in jenen engeren Kreisen, die ihre Fortsetzung dann finden in verschiedenen Mysteriengesellschaften wie zum Beispiel in der Bruderschaft vom heiligen Gral, in der Bruderschaft endlich der Rosenkreuzer. Bewahrt wurden da diese Wahrheitsschätze, zugänglich gemacht nur denjenigen, die sich durch scharfe Erprobungen für die lebendige Weisheit vorbereitet hatten. Und so waren die Weisheitsschätze des Ostens und Westens durch Jahrhunderte und Jahrhunderte der Entwickelung vom Beginn unserer Zeitrechnung hindurch den großen Menschenmassen draußen in der Welt ziemlich unzugänglich. Nur einzelnes rieselte da und dort in die große Welt hinein; das meiste blieb Geheimnis der neueren Mysterien.
Cite:
GA 110/1909-04-12/p007 · edition original