Erster Vortrag
Nachdem auf diese Art sozusagen das erste Eis gebrochen war, kam auch die Zeit, in der gesprochen werden durfte aus den Quellen des westlichen Okkultismus heraus, der aber kein anderer ist als der östliche, wie er sich nur kontinuierlich und alle Vorgänge des geistigen und physischen Lebens berücksichtigend fortgepflanzt hat, wo auch aus den Quellen des lebendigen Okkultismus heraus, der treu behütet worden ist in den Rosenkreuzermysterien, gesprochen werden kann. Es gibt keine Weisheit des Ostens, die nicht eingeflossen wäre in den Okkultismus des Westens, und in der rosenkreuzerischen Lehre und Forschung finden Sie restlos alles, was die großen Weisen des Ostens jemals bewahrt haben. Nichts, nichts von dem, was man wissen kann aus der Weisheit des Ostens, fehlt in der Weisheit des Westens. Es ist der Unterschied, wenn man von einem solchen Unterschied sprechen will, nur der, daß die Weisheit des Westens die gesamte östliche Lehre, die gesamte östliche Weisheit, die gesamte östliche Forschung zusammennehmen muß und, ohne irgend etwas von ihr verlorengehen zu lassen, sie zu beleuchten hat mit dem Lichte, das durch den Christus-Impuls in der Menschheit entzündet worden ist. So sage niemand, wenn von westlichem Okkultismus gesprochen wird, von demjenigen, der in gewisser Beziehung herrührt von den verborgenen Rishis des Westens, die freilich die Augen nicht sehen, es sage niemand, daß in ihm auch nur ein Jota, ein Häkchen fehle vom östlichen Okkultismus. Nichts, aber auch gar nichts fehlt. Er hat nur alle Dinge neu herauszugebären aus dem Jungbrunnen des Christus-Impulses. Alle die großen Weistümer, die zuerst von dem Munde der heiligen Rishis geklungen haben zur Menschheit über die übermenschlichen Welten, über das übersinnliche Dasein, sie müssen wiederum hereinklingen in das, was über die geistigen Hierarchien und ihre Abschattung in der physischen Welt zu sagen ist. Geradesowenig wie die Geometrie des alten Euklid erwas anderes geworden ist, als was sie war, trotzdem man sie mit den neueren menschlichen Fähigkeiten heute lehrt und lernt, ebensowenig ist die Weisheit der heiligen Rishis etwas anderes geworden dadurch, daß wir sie lehren und lernen mit den durch den Christus-Impuls angefachten Fähigkeiten. So also könnten wir einen großen Teil dessen, was wir über die geistigen Welten zu sagen haben, ohne weiteres östliche Weisheit nennen. Denn man darf in diesen Dingen nichts mißverstehen, und das Mißverständnis liegt so nahe.
Cite:
GA 110/1909-04-12/p009 · edition original