Erster Vortrag
So sehen wir, daß die beiden Strömungen immer mehr und mehr auseinandergingen in der Menschheit. In den Mysterien hat man mit diesen Worten, die dann zu den Bezeichnungen unserer äußeren Weltkörper geworden sind, immer geistige Welten, Stufenfolgen von geistigen Welten verstanden. Die äußere Welt hat immer Materielles darunter verstanden bis auf unsere heutige Mythologie - ich spreche das Wort bewußt aus -, die man moderne Astronomie nennt; und da die Geisteswissenschaft die anderen Mythologien in ihrem vollen Werte anerkannt hat, werden Sie verstehen, daß auch die moderne Mythologie von der Geisteswissenschaft gewürdigt wird - bis zu jener Mythologie, die man die moderne Astronomie nennt, die nur mehr einen Raum sieht und darin physische Weltenkugeln. Aber diese moderne Mythologie ist für denjenigen, der erkennt, nichts anderes als eine besondere Phase aller Mythologien. Eine gerade Linie geht von dem, was die alten europäischen Bewohner in ihren Götter- und Sternen- und Weltensagen gesagt haben, was die Griechen, die Römer in ihren Mythologien gegeben haben, was das Mittelalter in seinen mehr oder weniger getrübten Mythologien gegeben hat, bis herauf zu jener Mythologie, welche, voll geeignet und vollständig zur Bewunderung berechtigt, Kopernikus, Kepler und Galilei gestiftet haben. Es wird eine Zeit kommen, wo man über diese moderne Mythologie so etwa sprechen wird: Es gab einmal Menschen, die haben es für richtig befunden, eine materielle Sonne in den Mittelpunkt einer Ellipse zu stellen, in Ellipsen Planeten herumkreisen zu lassen, diese in verschiedener Weise rotieren zu lassen; sie haben sich da ein Weltensystem zurechtgerückt wie frühere Zeiten eben auch. Heute, so wird natürlich eine zukünftige Zeit sprechen, ist das alles nur mehr Sage und Märchen. - Ja, diese Zeit wird auch kommen, wenn auch der Moderne noch so sehr die alten Mythologien verachtet und auf seine schwört und wenn es ihn auch noch so unmöglich dünkt, daß von einer kopernikanischen Mythologie gesprochen werden kann. Aber das wird es uns gerade verständlich machen, wie sozusagen bei den Worten immer anderes und anderes vorgestellt worden ist. Trotzdem aber wurde das, was Urweltweisheit ist, immer und immer fortgepflanzt, fortgesetzt. Nur wurde diese Urweltweisheit gerade exoterisch immer weniger und weniger verstanden, weil sie materieller interpretiert, erklärt worden ist, weil weniger das Spirituelle gesehen worden ist. Und so kam es denn, daß, um die Menschheit sozusagen nicht verlieren zu lassen den Zusammenhang mit der ursprünglichen, spirituellen Weisheit, bei der Verjüngung der Urweltweisheit im Beginne unserer Zeitrechnung in scharfen Worten wiederum hingewiesen werden mußte darauf, daß da, wo das menschliche Auge sich hinausrichtet und als physisches Auge nur Physisches sieht, daß da Geistiges den Raum geistig erfüllt. Und so wies mit den allerschärfsten Worten derjenige, der der intimste Schüler des Apostels Paulus war, so wies in Athen Dionysius der Areopagite darauf hin: Es gibt nicht nur Materielles draußen im Raume, es gibt, wenn die menschliche Seele ahnend aufsteigt in die Räume des Weltendaseins, Geistiges da draußen in der Welt, das über dem Menschen steht in der Entwickelung des Daseins. —- Und er gebrauchte jetzt Worte, die allerdings anders lauten mußten, denn hätte er die alten Worte gebraucht, niemand hätte darin anderes als Materielles gesehen. Die Rishis haben gesprochen von den geistigen Hierarchien, so daß sie in ihren Worten ausgedrückt haben, was auch griechische und römische Weisheit noch ausgedrückt hat, wenn sie gesprochen hat von der vor ihr aufsteigenden Welt des Mondes, des Merkur, des Mars, der Venus, des Jupiter, des Saturn. Dionysius, der Schüler des Apostels Paulus, hat ganz dieselben Welten im Auge wie die Rishis; nur betonte er scharf, daß man es mit Geistigem zu tun hat, und er nahm Worte, von denen er sicher war, daß sie geistig genommen wurden: Er sprach von Engeln, Erzengeln, Urkräften, Gewalten, Mächten, Herrschaften, Thronen, Cherubim, Seraphim. Und jetzt wurde wiederum von den Menschen vergessen, richtig vergessen dasjenige, was die Menschheit einmal gewußt hat. Hätte man im Zusammenhang verstehen können, was Dionysius der Areopagite und was die alten heiligen Rishis gesehen haben, so hätte man sozusagen gehört von der einen Seite den Mond benennen, von den anderen Mysterien hätte man die Welt der Engel benennen hören, und man hätte gewußt: Das ist dasselbe. Man hätte das Wort Merkur von der einen Seite gehört und von der anderen das Wort Erzengel und gewußt: Das ist dasselbe. Man hätte gehört das Wort Archai auf der einen Seite und das Wort Venus auf der anderen, und man hätte gewußt: Das ist dasselbe. Man hätte gehört das Wort Sonne auf der einen Seite und Gewalten auf der anderen und hätte gewußt: Dieselben Welten sind mit diesen Worten bezeichnet. Hätte man gehört das Wort Mars auf der einen Seite, man hätte gefühlt: Hier steigt man auf zu den Mächten. Hätte man gehört das Wort Jupiter auf der einen Seite, so wäre es dasselbe gewesen, was in der Schule des Dionysius angeschlagen wurde, wenn von Herrschaften die Rede war. Dem Wort Saturn entspricht hier das Wort Throne.
Cite:
GA 110/1909-04-12/p015 · edition original