{"corpus":"steiner","locus":"GA 110/1909-04-14/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Jetzt wollen wir uns einmal ein wenig verständigen mit der so außerordentlich phantastischen modernen Weltentstehungstheorie, indem wir uns noch einmal vor Augen führen, was diese als Kant-Laplacesche Theorie hingestellt hat. Eine Nebelmasse hat sie hingestellt als Ausgangspunkt für unser Sonnensystem, und nun stellt sich ja diese Kant-Laplacesche Theorie vor, daß diese ganze Riesengasmasse anfängt, sich herumzudrehen, herumzuwirbeln. Bekanntlich findet sie das außerordentlich einleuchtend, daß, wenn sich das herumdreht, sich nach und nach die äußeren Planeten abspalten. Zuerst werden es Ringe, die ziehen sich dann zusammen; in der Mitte bleibt die Sonne und die anderen rotieren um sie herum. Sie stellt sich das ganz mechanisch vor. Nun, nicht wahr, es wird ein sehr niedliches Schulexperiment zur Verdeutlichung dieser Sache gemacht. Man zeigt, wie im kleinen ein solches Sonnensystem gebildet wird. Man nimmt ein Gefäß mit Wasser, nimmt einen großen Öltropfen, dann schneidet man, so daß man die Größe des Äquators ins Auge faßt, ein Kartenblatt, steckt es in der Äquatorrichtung durch und von oben eine Stecknadel hinein. Dann bringt man diesen Öltropfen zur Rotation. Es spalten sich kleine Tröpfchen ab und kreisen herum, und da sagt derjenige, der das den Schülern vorgeführt hat, manchmal recht alten Schülern: Nun seht einmal, da habt ihr die Entstehung eines Weltensystems im kleinen! — Und es leuchtet das sofort ein. Denn was sollte mehr einleuchten, als wenn man mit seinen Augen sieht, wie ein solches Sonnensystem entsteht? Warum sollte man nicht begreifen, daß da draußen einmal ein Riesenweltennebel war und sich gedreht hat und daß sich Planeten abgetrennt haben wie die Tröpfchen, die Miniatur-Merkure und -Saturne von dem großen Öltropfen? Man muß allerdings ein wenig über die Naivität, mit der da vorgegangen wird, staunen. Denn die Betreffenden, die also das Kant-Laplacesche System recht begreiflich zu machen versuchen, die vergessen dabei nur eins, was sonst ja ganz gut ist zu vergessen, aber in diesem Falle geht es halt nicht - sie vergessen nämlich sich selbst, sie vergessen, daß sie dagestanden und erstgedreht haben. Das ist natürlich eine unglaubliche Naivität, aber die Naivität der modernen matersalistischen Mythologie ist eben sehr groß, größer als die irgendeiner anderen Mythologie war. Das werden erst zukünftige Zeiten einsehen. Also, es ist da einer, der veranstaltet das Ganze, der dreht das Ganze. Es muß also notwendig, wenn man überhaupt denken kann, wenn man nicht verlassen ist von allen guten Geistern der Logik, vorausgesetzt werden, daß geistige Mächte beteiligt sind da draußen bei der Drehung der Weltenkörper. Wenn man also schon absehen will von dem Fehler, daß ein Urgas an die Stelle des Urfeuers gesetzt wird, so darf man doch nicht voraussetzen, daß diese Gasmasse von selber anfängt herumzuwirbeln. Man muß fragen: Wo sind die geistigen Kräfte und Mächte, die diese Masse, also für uns die Masse des Urfeuers, in Bewegung versetzen, so daß drinnen etwas geschieht? Wir haben sie jetzt aufgezählt: Aus der Umgebung und im Innern arbeiten die geistigen Kräfte. Die da ringsherum sind, die Wesenheiten, die ihre Fähigkeiten erworben haben in früheren Systemen, die arbeiten von außen; da drinnen sind Wesenheiten von geringerer Reife, die nun im Innern die Masse differenzieren, die das hervorbringen, was wir im Auge hatten, als wir sagten, daß da drinnen Gebilde von Wärme entstehen und so weiter. Es sind das Wesenheiten von höchster Intelligenz, die alles das anordnen, was da geschieht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-04-14","location":null,"word_count":546,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/110/1909-04-14/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/110/1909-04-14/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/110/1909-04-14/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}