XXV. Der Lebenslauf des Menschen in Geheimwissenschaftlicher Beleuchtung
Es gibt in unserer Zeit in vielen Gegenden in Europa Anschauungen, man soll das Kind heute nicht zur Gedächtnismaschine machen. Man sagt, das Kind muss denken lernen. Man lehrt ihn, dass Ix1=1 schon sehr früh, und auch muss das Kind schon bald vieles andere lernen. Es gibt aber nichts Schlimmeres, als dass man zu früh die reinen Verstandeskräfte anstrengen muss. Erst muss ein Fonds von Wissen da sein, dann kann man beurteilen, was man weiß. Heute wird den Kindern die Geschichte gelehrt, ohne dass die Kinder dieselbe verstehen, da das Kind noch nicht urteilen kann, über Ursache und Wirkungen. Das Kind muss erst eine ausreichende Menge Gedanken haben, und wenn das Kind vieles in seiner Seele sieht, kann es vergleichen. Wenn man nur weniges weiß, und man fängt an zu urteilen, kann man nicht vergleichen, und [dann] ist der Mensch dumm. Man kann nichts Schlimmeres tun für die Entwicklung in diesem [Abschnitt] des Lebens, in dem wirklich unser Gedächtnis bereichert werden soll, als nicht genau darauf zu achten, dass das Kind die Fähigkeit bekommt zu vergleichen, wodurch es besser urteilen kann. Dieses wird heute noch nicht eingesehen, [und das hat auch schon zu schlimmen Dingen geführt]. Junge Leute geben heute ihr Urteil über alles ab, und wir haben es zu erleben, dass in Zeitungen Artikel erscheinen von jungen Leuten, deren Astralleib erst kürzlich geboren ist.
Cite:
GA 111/1908-03-10/p055 · edition original