Zweiter Vortrag
Nehmen wir an, irgendein großer Führer der Menschheit stünde vor einem andern Menschen, der diesem Führer zwar nicht ebenbürtig wäre, aber doch über den Durchschnitt der Menschen hinausragte. Dieser Mensch, nehmen wir an, hat eine lebendige Empfindung dafür, daß der andere ein großer Führer ist, daß das Geistige, das die übrigen Menschen erlangen sollen, schon in einem höheren Grade in ihm vorhanden ist. Wie würde solch ein Mensch diesen Führer schildern? Er würde etwa sagen: Da steht vor mir ein Mensch, ein Mensch im physischen Leibe wie die andern. Aber der physische Leib ist das Unbedeutende an ihm, das kommt gar nicht in Betracht an ihm. Wenn ich aber das geistige Auge auf ihn richte, dann erscheint mir mit ihm verbunden ein mächtiges Geistwesen, ein göttlich-geistiges Wesen. Und das ist so bedeutend, daß ich alle Aufmerksamkeit nur auf dieses göttlich-geistige Wesen lenke und nicht auf das, was physisch bei ihm erscheint wie an einem anderen Menschen. — So eröffnet sich dem geistigen Seher an einem Menschheitsführer etwas, was an Wesenheit die ganze übrige Menschheit überragt, und was er ganz anders beschreiben muß. Denn er beschreibt, was er mit dem geistigen Auge daran sieht.
Cite:
GA 112/1909-06-25/p015 · edition original