Zweiter Vortrag

GA 112/1909-06-25/p025 ·1909-06-25 · original (original)
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Nehmen wir an, ein Mensch tritt den geistigen Erkenntnispfad in irgendeiner Verkörperung an, das heißt er macht irgendwelche von den Übungen - von denen wir auch noch sprechen werden -, welche die Seele immer geistiger und geistiger gestalten, immer empfänglicher machen für das Geistige und sie dem Zeitpunkt entgegenführen, wo sie das höhere, unvergängliche Ich gebiert, das in die geistige Welt hineinschauen kann. Viele Erlebnisse macht der Mensch bis dahin durch. Nun darf man sich nicht vorstellen, daß der Mensch irgend etwas übereilen kann in geistiger Beziehung. In Geduld und Ausdauer muß so etwas durchgemacht werden. Nehmen wir also an, ein Mensch beginnt mit einer solchen Entwickelung. Sein Ziel ist die Geburt des höheren Ich. Aber er bringt es nur bis zu einer gewissen Stufe. Er erreicht gewisse Vorstufen zu der Geburt des höheren Ich. Nun stirbt er und wird dann wiedergeboren. Jetzt kann zweierlei eintreten, wenn ein solcher Mensch, der in einer Verkörperung eine gewisse geistige Schulung durchgemacht hat, wiedergeboren wird. Entweder er kann den Drang fühlen, sich wieder einen Lehrer zu suchen, um sich zeigen zu lassen, wie er rasch das wiederholt, was er vorher durchgemacht hat, und wie er zu den entsprechend höheren Stufen hinaufkommt. Oder er sucht aus irgendwelchem Grunde keinen solchen Weg. Auch da wird sich sein Leben oft anders gestalten als bei einem andern Menschen. Bei einem Menschen, der etwas von dem Erkenntnispfad bereits durchgemacht hat, wird das Leben auch ganz von selbst etwas bringen, das sich ausnimmt wie Wirkungen der Erkenntnishöhe, die er schon in der vorhergehenden Verkörperung erreicht hat. Er wird anderes erleben, und die Erlebnisse werden einen anderen Eindruck auf ihn machen, als es bei anderen Menschen der Fall ist. Und dann wird er an solchen Erlebnissen aufs neue erreichen, was er früher durch sein Streben erlangt hat. In der früheren Inkarnation mußte er von Punkt zu Punkt strebend tätig sein. Im nächsten Leben, wo ihm sozusagen wiederholentlich das Leben selbst bringt, was er früher erstrebt hat, da tritt es gleichsam von außen an ihn heran, und es kann sein, daß er in ganz anderer Form die Ergebnisse der früheren Inkarnation erlebt. So kann es geschehen, daß ihm schon in der Kindheit in irgendeinem Erlebnis etwas entgegentritt, was auf sein ganzes Gemüt einen solchen Eindruck macht, daß die Kräfte, die er sich in der vorherigen Inkarnation angeeignet hat, wieder in ihm erstehen. Nehmen wir an, ein solcher Mensch habe in einer Inkarnation eine bestimmte Stufe der Weisheitsentwickelung erlangt. In der nächsten Inkarnation wird er wiedergeboren als ein Kind wie jeder andere. Aber mit sieben oder acht Jahren macht er irgend etwas Schweres durch. Das hat auf seine Seele die Wirkung, daß alles das wieder herauskommt, was er sich früher als Weisheit errungen hat, so daß er jetzt wieder auf der früher erreichten Stufe steht und von da zu der nächsten hinanschreiten kann. Nun nehmen wir weiter an, er bemühe sich jetzt, um einige Stufen weiter zu kommen. Er stirbt wieder. In der nächsten Inkarnation kann es wieder so gehen. Wieder kann ein äußeres Erlebnis an ihn herantreten, das ihn gleichsam auf die Probe stellt, wodurch dann wieder zutage kommt zuerst das, was er in der vorvorigen Inkarnation sich erarbeitet hat, dann das, was er in der vorigen Inkarnation erlangt hat, und dann kann er wiederum eine Stufe höher steigen.

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Cite: GA 112/1909-06-25/p025 · edition original