{"corpus":"steiner","locus":"GA 112/1909-06-25/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie sehen daraus, daß wir das Leben eines solchen Menschen, der schon früher gewisse Stufen der Entwickelung durchschritten hat, nur begreifen, wenn wir solches in Rechnung ziehen. Da ist zum Beispiel eine Stufe, die man bald erreicht, wenn man erst auf dem Erkenntniswege strebt, das ist die Stufe des sogenannten heimatlosenMenschen, desjenigen Menschen, der hinauswächst über die unmittelbaren Vorurteile der nächsten Umgebung, der frei wird von dem, was ihn an allen möglichen Gängelbanden der nächsten Umgebung zieht. Der Mensch braucht dadurch nicht pietätlos zu werden, er kann sogar um so pietätvoller sein. Aber er muß frei sein von den Banden der nächsten Umgebung. Nehmen wir den Fall, daß ein solcher Mensch in einem Stadium stirbt, wo er sich hindurchgearbeitet hat zu einer gewissen Freiheit und Unabhängigkeit. Nun wird er wiedergeboren, und da kann es sein, daß verhältnismäßig früh ein Erlebnis auftritt, wodurch das Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit wiedergeboren wird. Gewöhnlich geschieht es dadurch, daß der Betreffende seinen Vater oder irgendeinen, mit dem er sonst verbunden ist, verliert, oder auch, daß dieser Vater sich nicht gut gegen ihn benimmt, ihn vielleicht verstößt oder dergleichen mehr. Das teilen uns getreulich die Sagen der verschiedenen Völker mit, denn in diesen Dingen sind die Mythen und Sagen der Völker wirklich weiser als die heutige Wissenschaft. Da werden Sie überall den Typus finden, daß der Vater den Auftrag gibt, daß das Kind ausgesetzt werde; das Kind wird von Hirten aufgefunden, wird von ihnen genährt, aufgezogen und später zu seinem Beruf zurückgebracht, wie zum Beispiel Chiron, Romulus und Remus. Um das wiedererstehen zu lassen, was sie sich in früheren Inkarnationen bereits errungen hatten, dazu sollten sie sozusagen durch den Verrat ihrer Heimat an ihnen selber gelangen. Auch die Sage von der Aussetzung des Ödipus gehört dahin.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-06-25","location":null,"word_count":291,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-06-25/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-06-25/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/112/1909-06-25/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}