Achter Vortrag
Es ist charakteristisch, und deshalb darf es betont werden, daß einzelne tiefgründige Geister nur aus ihrer Philosophie heraus, ohne allen Okkultismus, dahin kommen, zu erkennen, wie richtig dieses paulinische Wort ist. Wenn man sich mit solchen Geistern ein wenig befaßt, dann sieht man: Es fängt schon an, in unserer Zeit solche Menschen zu geben, die sich Begriffe bilden von dem, was eine zukünftige menschliche Überzeugung und menschliche Weltanschauung sein muß, was die Geisteswissenschaft eben bringen muß. Aber diejenigen, welche die Geisteswissenschaft nicht haben, bringen es nicht zu mehr als zu einem leeren Begriffsgefäß. So ist es auch bei dem tiefen Denker Solowjow. Wie Begriffsgefäße sind die Systeme seiner Philosophie, und hineingegossen werden muß das, wonach sie schon verlangen, wozu sie schon die Form prägen, was sie aber nicht haben, und was einzig und allein kommen kann aus der anthroposophischen Strömung. Sie wird jenes lebendige Wasser, die Mitteilungen über die Tatsachen der geistigen Welt, das Okkulte, hineingießen in diese Gefäße. Das wird diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung den besten Geistern bringen, die schon heute zeigen, daß sie es brauchen, und deren Tragik darinnen liegt, daß sie es nicht haben bekommen können. Wir können für diese Geister geradezu das Wort gebrauchen: Nach Anthroposophie lechzen sie! Sie haben sie nicht finden können. Durch die anthroposophische Bewegung soll in die von ihnen zubereiteten Gefäße hineinfließen, was über die wichtigsten Ereignisse klare, deutliche, wahre Vorstellungen bilden kann, über solche Ereignisse, wie es das Christus-Ereignis ist und das Mysterium von Golgatha. Darüber kann uns nur die Anthroposophie oder Geistesforschung aufklären mit ihren Enthüllungen über die Gebiete der geistigen Welten. Ja, das Mysterium von Golgatha kann für unsere heutige Zeit nur durch Anthroposophie, durch Geistesforschung begriffen werden!
Cite:
GA 112/1909-07-01/p041 · edition original