Neunter Vortrag
Wir haben in den letzten Tagen versucht, aus ganz anderen Quellen heraus, aus der hellseherischen Betrachtung der Akasha-Chronik den Christus-Impuls zu begreifen und als ein tatsächliches Ereignis in der Entwickelung der Menschheit hinzustellen. Und wir haben uns gewissermaßen nur auf das bezogen, was sich in den Evangelien ausnimmt wie eine Bestätigung dessen, was zuerst durch die hellseherische Forschung als wahr ausgesprochen werden konnte. Heute wollen wir aber um des Fortganges unserer Betrachtungen willen einige Blicke auf das Johannes-Evangelium selber werfen und dieses wichtige Dokument der Menschheit einmal von einer Seite her an sich selbst charakterisieren. Dieses Johannes-Evangelium, von dem wir gestern gesagt haben, daß die theologische Forschung der Gegenwart, soweit sie vom Materialismus angekränkelt ist, keine rechte Stellung ihm gegenüber gewinnen kann, daß sie nicht vermag das Geschichtliche, das Historische einzusehen, dieses Johannes-Evangelium wird sich uns darstellen, wenn wir es mit geisteswissenschaftlichem Blick betrachten, als eines der wunderbarsten Dokumente, welche die Menschheit hat. Man darf sagen, daß das Johannes-Evangelium nicht nur unter den religiösen Dokumenten, sondern unter den gesamten — gebrauchen wir einmal das profane Wort -, unter den gesamten literarisch-schriftstellerischen Dokumenten zu den größten gehört. Wollen wir uns einmal von dieser Seite her dem Inhalte dieses Dokumentes nähern.
Cite:
GA 112/1909-07-02/p004 · edition original