{"corpus":"steiner","locus":"GA 112/1909-07-02/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben ja gesagt, daß eines seiner wichtigsten Worte das war: «Bevor Abraham war, war das Ich-bin», und das andere: «Ich und der Vater sind eins.» Er wollte damit sagen: Bei denjenigen, die an den alten Lebenseinrichtungen hängen, ist das Ich nur geborgen innerhalb einer Blutsverwandtschaft. Derjenige, der ein richtiger Bekenner des Alten Testamentes war, er fühlte etwas ganz Besonderes bei den Worten: «Ich und der Vater Abraham sind eins», etwas, was heute dem Menschen schwer ist nachzufühlen. Was der Mensch sein eigenes Selbst nennt, was eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod, das sieht der Mensch vorübergehen. Derjenige aber, der ein richtiges Bekenntnis zum Alten Testamente hatte, der berührt war von den Lehren, die in der damaligen Zeit durch die Menschheit flossen, er sagte, und zwar nicht bloß als ein allegorisches Wort, sondern als eine Tatsache: Für mich bin ich ein einzelner, aber ich bin ein Glied in einem großen Organismus, in einem großen Lebenszusammenhange, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Wie der Finger als lebendiges Glied nur bestehen kann, solange er an meinem Leibe ist, so habe auch ich nur einen Sinn, solange ich fühle, daß ich ein Glied bin an dem großen Volksorganismus, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Ich hänge genau so an dem großen Volkszusammenhang, wie der Finger an meinem Leibe ist. Trennt man den Finger ab, so ist er bald kein Finger mehr; er ist nur geborgen, wenn er an meiner Hand, die Hand an meinem Arm und der Arm an meinem Leibe ist, er hat keinen Sinn mehr, wenn er von der Hand abgetrennt ist. Ebenso habe ich nur einen Sinn, wenn ich mich fühle als ein Glied aller der Generationen, durch die herunterfließt das Blut von dem Vater Abraham. Da fühle ich mich geborgen! Vorübergehend und vorbeirauschend ist mein einzelnes Ich, aber nicht vorübergehend ist dieser ganze große Volksorganismus bis hinauf zum Vater Abraham. Wenn ich mich ganz darinnen empfinde, mich ganz darinnen fühle, dann überwinde ich mein zeitlich vorübergehendes Ich; dann werde ich geborgen in einem großen Ich, in dem Volks-Ich, das durch das Blut der Generationen vom Vater Abraham bis zu mir heruntergeströmt ist! So sagte sich der Bekenner des Alten Testamentes.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-07-02","location":null,"word_count":363,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-07-02/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-07-02/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/112/1909-07-02/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}