{"corpus":"steiner","locus":"GA 112/1909-07-02/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Durch die Kraft dieses innerlichen Erlebnisses, das in den Worten liegt: «Ich und der Vater Abraham sind eins», geschah alles das, was an Großem, an heute noch wunderbar Erscheinendem innerhalb des Alten Testamentes geschehen ist. Weil aber die Zeit kam, in der die Menschen nicht mehr berufen sein sollten, einen solchen Bewußtseinszustand zu haben, so verlor sich das nach und nach. Der Christus mußte daher nicht zu denjenigen gehen, die auf der einen Seite die Fähigkeit verloren hatten, durch jene magische Kraft zu wirken, die in den Blutsbanden liegt, und die auf der anderen Seite noch den Glauben hatten nur an die Gemeinschaft mit dem Vater Abraham. Denn bei denen konnte er jenen Glauben nicht finden, der dazu notwendig war, um das zu wirken, was strömen konnte von seiner Seele in die anderen Seelen; da mußte er zu denjenigen gehen, die dutch ihre Blutmischung nicht mehr einen solchen Glauben hatten, da mußte er zu den Galiläern gehen. Hier mußte er beginnen mit seiner Mission. Wenn auch im allgemeinen der alte Bewußtseinszustand im Schwinden war, so fand er doch bei ihnen gerade eine Volksmischung vor, die im Anfange der Blutmischung stand. Von allen Seiten kamen hier Volksstämme zusammen, welche vor diesem Zusammenströmen noch unter den Kräften deralten Blutsbande gestanden hatten. Sie waren eben dazu gekommen, den Übergang zu finden. Sie hatten noch das lebendige Gefühl in sich: Unsere Väter haben noch die alten Bewußtseinszustände gehabt, sie haben noch die magischen Kräfte gehabt, die von Seele zu Seele wirken. — Bei ihnen konnte er mit seiner neuen Mission wirken, die darin bestand, dem Menschen ein Ich-Bewußtsein zu geben, das nicht mehr an Blutsverwandtschaft geknüpft ist, ein Ich-Bewußtsein, das sagen konnte: In mir selber finde ich den Zusammenhang mit dem geistigen Vater, mit dem Vater, der nicht sein Blut physisch herunterrollen läßt durch die Generationen, sondern der seine geistige Kraft in jede einzelne individuelle Seele hineinsendet. Das Ich, das in mir ist und das eine unmittelbare Beziehung zum geistigen Vater hat, es war, ehe denn Abraham war. Daher bin ich berufen, eine solche Kraft in das Ich hineinzugießen, die da gestärkt wird durch das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der geistigen Vater-Kraft der Welt. «Ich und der Vater sind eins », nicht ich und der Vater Abraham, das heißt ein leiblicher Vorfahr, sind eins.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-07-02","location":null,"word_count":380,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-07-02/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-07-02/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/112/1909-07-02/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}