{"corpus":"steiner","locus":"GA 112/1909-07-02/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein Übergang, sagte ich, mußte geschaffen werden, damit sich so etwas ereignen konnte. Die seelische Kraft mußte durch irgend etwas unterstützt werden. Durch was konnte sie unterstützt werden ? Da kommen wir zu dem Wort, das in der Weise, wie es gewöhnlich übersetzt wird, eigentlich eine Blasphemie ist. Denn ich glaube nicht, daß ein fein empfindender Mensch es nicht als unangenehm empfinden müßte, wenn er sagt: «Sie haben nicht Wein!» und ihm darauf geantwortet wird: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!» Es ist überhaupt unmöglich, daß das in einer solchen Urkunde hingenommen wird. Man soll sich denken: Das Ideal der Liebe, wie es uns in den Evangelien geschildert wird, Jesus von Nazareth, er sollte in den Beziehungen zu seiner Mutter den Ausdruck gebrauchen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen ?» Man braucht nicht mehr darüber zu sagen, denn das übrige muß man empfinden. Aber diese Worte stehen nicht da! Sehen Sie sich diese Stelle im Johannes-Evangelium an. Sie brauchen nur den griechischen Text aufzuschlagen, da haben Sie nichts weiter als die Worte, die da gesagt werden, indem der Jesus von Nazareth auf etwas hindeutet: «O Weib, dieses geht da von mir zu dir!» Gerade auf diese feine intime Kraft von Seele zu Seele, was da hinübergeht von ihm zu der Mutter, darauf weist er hin. Das braucht er aber in diesem Augenblick. Höheres an Zeichen kann er in diesem Augenblick noch nicht wirken, dazu muß seine Zeit erst heranreifen. Daher sagt er: Meine Zeit, wo ich bloß durch eine Kraft wirken werde, die ist noch nicht gekommen! - Denn jetzt ist noch notwendig das magnetische seelische Band, das da von der Seele des Jesus von Nazareth zu der Mutter hinübergeht. «O Weib, das geht da von mir zu dir!» Wie sollte die Mutter sonst nach dieser Rede, «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen!» dazu kommen, zu den Dienern zu sagen: «Was er euch saget, das tut!»? Es ist notwendig, daß sie ausgestattet ist mit den alten Kräften, von denen heute die Menschen keine Ahnung mehr haben, und sie weiß, daß er hinweist auf dieses Blutsband zwischen Sohn und Mutter, hinweist auf das Band, das hinüberführen soll zu den anderen. Da weiß sie, daß jetzt etwas waltet wie eine unsichtbare geistige Kraft, die hier etwas bewirken kann. Und nunmehr bitte ich Sie, das Evangelium wirklich zu lesen. Ich möchte wissen, wie diejenigen mit dem Evangelium zurechtkommen, die da glauben, daß etwas — ja, ich weiß nicht, was eigentlich — geschehen sein soll, die da glauben, daß sechs gewöhnliche Krüge dastanden, wie sie sagen, «zur jüdischen Reinigung», und wie dann nach dieser ganz gewöhnlichen Anschauung ohne irgend etwas anderes — das eben in demjenigen lag, was jetzt besprochen worden ist —, wie da das Wasser hätte zu Wein werden sollen, wie das äußerlich nur hätte geschehen sollen?!","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-07-02","location":null,"word_count":477,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-07-02/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/112/1909-07-02/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/112/1909-07-02/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}