Elfter Vortrag
Schauen wir in das eigene Innere. Wir haben gesehen, daß im Innern des Menschen da, wo sich Ätherleib und astralischer Leib durchdringen, die Mutter waltet, daß da, wo in dem physischen Leib das Ich ist, der Vater zum Ausdruck kommt. Das heißt: In unserem Generellen, in dem Gattungsgemäßen, in dem, was unser inneres Weisheitsleben und Vorstellungsleben ist, da waltet die Mutter, da waltet das weibliche Element; in dem, was durch die Vereinigung von Ich und physischem Leib entsteht, in der äußerlich differenzierten Gestalt, in dem, was den Menschen zum «Ich» macht, da waltet der Vater, das männliche Element. Was also mußten die alten Weisen, die in diesem Sinne dachten, vor allen Dingen von den Menschen verlangen? Sie mußten verlangen, daß der Mensch in sich selber zur Klarheit kommt über das Verhältnis vom physischen Leib und Ich zum Ätherleib und astralischen Leib, daß er in sich zur Klarheit kommt über das in ihm waltende Mütterliche und Väterliche. Dadurch, daß der Mensch in sich hat Ätherleib und astralischen Leib, hat er in sich das Mütterliche. Er hat sozusagen außer der äußeren Mutter, die auf dem physischen Plan steht, in sich das mütterliche Element, die Mutter. Und er hat außer dem Vater, der auf dem physischen Plan steht, in sich das väterliche Element, den Vater. Vater in sich und Mutter in sich in das richtige Verhältnis zu bringen, das mußte als ein Ideal erscheinen, als ein groBes Ideal. Geschieht es nicht, daß der Mensch Vater und Mutter in sich zur Harmonisierung bringt, so muß sich die Disharmonie zwischen dem väterlichen und dem mütterlichen Element fortpflanzen von dem Menschen auf den physischen Plan hinaus und draußen Verheerungen anrichten. Also sagte der alte Weise: Der Mensch hat die Aufgabe, in sich eine Harmonie herzustellen zwischen dem väterlichen und dem mütterlichen Element. Gelingt das nicht, so tritt das in die Welt heraus, was uns als das Furchtbarste erscheinen muß.
Cite:
GA 112/1909-07-04/p027 · edition original