Elfter Vortrag
In der Welt kann immer nur die Weisheit sein, die aus den Mysterien herausfließt, keine andere. Diejenigen, welche in den Mysterien das Entsprechende lernen, werden die Boten für die äußere Welt, und die äußere Welt lernt das, was in den Mysterien geschaut wird. Das _ aber wurde gelernt im Sinne der alten Weisheit, was man sich dadurch eroberte, daß man sich mit seiner Mutter in sich vereinigte und den Vater in sich tötete. Aber diese Erb-Weisheit kann den Menschen nicht über einen gewissen Punkt der Entwickelung hinausbringen. An Stelle dieser alten Weisheit mußte etwas anderes, etwas ganz Neues treten. Würde die Menschheit nur immer diese alte Weisheit empfangen, die so gewonnen wurde, dann würde die Menschheit, wie wir schon sagten, hineingetrieben werden in den Streit aller gegen alle. Es würde Meinung gegen Meinung, Gefühl gegen Gefühl, Wille gegen Wille sich auflehnen; und es müßte zu dem schauerlich-grausigen Zukunftsbild kommen, daß der Mensch sich vereinigt mit der Mutter und den Vater tötet. Das aber haben die alten Eingeweihten, die zwar die Einweihung hatten, aber den Christus erwarteten, in bedeutsamen Bildern hingemalt, in großen gewaltigen Bildern hingemalt. Und den Abdruck dieser Anschauung der alten vorchristlichen Weisen haben Sie in den Sagen und Mythen aufbewahrt. Wir brauchen nur an den Namen Oedipus zu erinnern; da können wir anknüpfen an etwas, worin die alten Weisen zum Ausdruck brachten, was sie nach dieser Richtung hin zu sagen hatten. So lautet jene alte griechische Sage, welche die griechischen Tragiker in so großer, gewaltiger Weise darstellen:
Cite:
GA 112/1909-07-04/p030 · edition original