Vierzehnter Vortrag

GA 112/1909-07-07/p046 ·1909-07-07 · original (original)
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Das erste ist, daß der Mensch sich sagt: Ich sehe mir die Pflanze an. Sie wächst aus dem mineralischen Erdboden heraus, sie wächst und blüht. Aber wenn die Pflanze Bewußtsein entwickeln könnte wie der Mensch, so müßte sie hinunterschauen zum Steinreich, zur mineralischen Erde, aus der sie herauswächst, und müßte sagen: Du Stein bist ein niedrigeres Wesen unter den heutigen Wesen der Natur als ich, aber ohne dich, niedrigeres Reich, kann ich nicht bestehen! Und ebenso wenn sich das Tier der Pflanze näherte und empfinden könnte, wie es die Pflanze zum Untergrunde seines Daseins hat, müßte es sich sagen: Ich als Tier bin ein höheres Wesen als du, Pflanze, aber ohne dich, Pflanze, könnte ich nicht sein! Und in Demut müßte sich das Tier herunterneigen zur Pflanze und sagen: Dir, niedrigere Pflanze, verdanke ich mein Dasein! - Und im Menschenreich müßte es so sein: Ein jeder, der auf der Stufenleiter höher gestiegen ist, müßte herunterschauen in geistiger Beziehung zu dem unter ihm Stehenden und sagen: Ihr gehört zwar einer niedrigeren Welt an, aber wie die Pflanze sich zum Stein, das Tier sich zur Pflanze neigen müßte, so müßte der Mensch auf einer höheren Stufe sagen: Dir Niedrigerem verdanke ich mein Dasein!

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Cite: GA 112/1909-07-07/p046 · edition original