{"corpus":"steiner","locus":"GA 113/1909-08-24/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es wird sich in diesem Zyklus von Vorträgen besonders darum handeln, die Weisheit der orientalischen Welt, das heißt die uralten Weistümer der Menschheit überhaupt, so zu betrachten, daß auf sie jenes Licht fällt, das angezündet werden kann an der Erkenntnis des Christus-Impulses und an der Erkenntnis all dessen, was sich im Laufe der Jahrhunderte in der westlichen Welt als Weisheit aus diesem Christus-Impulse heraus nach und nach entwickelt hat. Wenn Geisteswissenschaft etwas Lebendiges sein soll, so kann sie nicht darin bestehen, daß bereits in der Menschheit vorhandene Anschauungen und Meinungen über die höheren Welten aus der Geschichte genommen und dann gelehrt werden; sondern es muß sich darum handeln, daß alles dasjenige, was wir in der Gegenwart erfahren können über das Wesen der höheren Welten, der Gegenstand unserer Betrachtung werde.[^1] Menschen, welche in der Lage sind, den Blick hinaufzuwenden in die geistigen Welten und in diesen so zu schauen, wie sonst der Mensch mit sinnlichen Augen in der äußeren Welt schaut, wie er mit seinem Verstande die äußere Welt begreift, die hat es ja nicht nur in den alten Zeiten gegeben, die gibt es zu allen Zeiten der Menschheitsentwickelung, die gibt es auch heute; und zu keiner Zeit ist die Menschheit darauf angewiesen, bloß geschichtlich überlieferte Wahrheiten zu lehren und zu betrachten; ebensowenig ist die Menschheit darauf angewiesen, diese Lehren über die höheren Welten von irgendeinem besonderen physischen Orte her zu empfangen. Überall in der Welt kann der Quell höherer Weisheit und höherer Erkenntnis fließen. Ebensowenig als es vernünftig wäre, wenn wir in unseren Schulen etwa heute eine Mathematik oder eine Geographie lehren würden, die wir alten Schriften, welche in der Vorzeit verfaßt sind, entnehmen würden, ebensowenig ist es vernünftig, in bezug auf die großen Weistümer der übersinnlichen Welten das bloß Geschichtliche, das bloß Historische, das Vorzeitliche zu betrachten. Es wird deshalb unsere Aufgabe sein, in diesem Vortragszyklus an die Dinge der höheren Welten, an die Wesenheiten der übersinnlichen Reiche selbst heranzutreten, Bekanntes und weniger Bekanntes und ganz Unbekanntes vor unsere Seele treten zu lassen von demjenigen, wie es da aussieht in den höheren Welten und dann uns zu fragen: Was haben die Menschen in älteren Zeiten, die Menschen der Vorzeit über diese Dinge zu sagen gehabt? Mit anderen Worten: westliche Weisheit wollen wir vor unsere Seele treten lassen und dann die Frage uns stellen: Wie stimmt dasjenige, was wir als westliche Weisheit erkennen können, mit demjenigen zusammen, was uns als östliche Weisheit bekannt werden kann? Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß Weiistümer der übersinnlichen Welten von jedem Menschen, wenn sie ihm erzählt werden, durch die Vernunft eingesehen werden können. Das ist von mir oft betont worden: zum Einsehen, zum Begreifen der Tatsachen der höheren Welten gehört nur unbefangene Vernünftigkeit. Wenn diese unbefangene Vernünftigkeit auch in der Gegenwart eine sehr seltene Fähigkeit ist, sie ist vorhanden; und derjenige, der sie üben will, kann alles das einsehen, was erzählt wird über die Forschungsergebnisse der sogenannten hellseherischen Wissenschaft. Gewonnen werden, erforscht werden können allerdings diese Tatsachen der höheren Welten nur durch die sogenannte hellseherische Forschung, nur durch das Hinaufsteigen in diese höheren Welten durch Menschen, die sich dazu vorbereiten. Da in diesen höheren Welten Wesenheiten wohnen, welche man im Verhältnis zu uns Menschen geistige nennen kann, so ist die Erforschung der höheren Welten nach einer Richtung ein Umgang des Hellsehenden oder des Eingeweihten mit diesen geistigen Wesenheiten. Erforscht werden also kann dasjenige, was in den höheren Welten ist, nur dann, wenn der hellseherische Mensch[^2] die Stufen hinaufsteigt, die ihn bis zum Verkehr mit einer geistigen Welt bringen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-08-24","location":null,"word_count":586,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-24/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-24/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/113/1909-08-24/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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