Fünfter Vortrag

GA 113/1909-08-27/p015 ·1909-08-27 · original (original)
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Man kann den Unterschied der beiden Völkerströmungen in der Weise charakterisieren, daß man sagt: die nördliche Völkerströmung arbeitet darauf hin, einen äußeren Menschen hinzustellen, der in seiner äußeren Leiblichkeit den Geist wie im Abbilde darlebt; der anderen Völkerströmung kam es darauf an, die unsichtbar sich zeigende Seele, dasjenige also, was nur, wenn man den Blick nach innen wendet, empfindbar wird, auszugestalten. So schuf die nördliche Völkerströmung das Ebenbild der Gottheit im Menschen, wie es äußerlich erscheint; es schuf die südliche Völkerströmung das seelische Ebenbild der Gottheit, das unsichtbar im Inneren wirkende und webende Seelenebenbild der Gottheit. Getrennt zunächst, wie die männliche und weibliche Befruchtungssubstanz der Pflanze, entwickeln sich diese beiden Völkerströmungen; der eine Völkerstrom, so weit er gehen konnte zur Verinnerlichung, der andere, so weit er gehen konnte zum Ausdruck des Geistigen im Äußeren. Und dann, als der richtige Zeitpunkt gekommen war, mußten sich diese beiden Völkerströmungen gegenseitig befruchten. Wir mögen den einen oder den anderen Völkerstrom in Betracht ziehen, wir werden überall auch in dem, was uns äußerlich, geschichtlich entgegentritt, dasjenige bestätigt finden, was eben gesagt worden ist.

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Cite: GA 113/1909-08-27/p015 · edition original