Achter Vortrag
Wir sind in der fünften Kulturperiode der nachatlantischen Zeit. Sie wird abgelöst werden von der sechsten, die eine wichtige sein wird. Diese sechste Kulturperiode wird eine Wiederholung sein und zu gleicher Zeit eine Erhöhung der urpersischen Zarathustrakultur. Zarathustra hat hinaufgeschaut zur Sonne, um hinter dem physischen Sonnenlichte den Christus-Geist, den er Ahura Mazdao genannt hat, zu sehen und die Menschen aufmerksam zu machen auf ihn. Dieser Christus ist mittlerweile auf die Erde niedergestiegen; dieser Christus muß in denjenigen Seelen, die sich dafür reif machen im Laufe der sechsten Kuiturepoche, so weit in das Innere eindringen, daß dann durch den Blick in das eigene Innere der Seele einer Anzahl von Menschen jene gewaltigen Empfindungen entstehen können, die Zarathustra erregen konnte, als er auf den Ahura Mazdao hinwies. Denn in der sechsten Periode soll bei einer großen Anzahl von Menschen durch den Blick in das eigene Innere, durch die Wiedererkennung der Sonnenweisheit, dessen, was im Urpersischen sich offenbarte, etwas wie eine Wiederholung auf viel höherer, verinnerlichter, vergeistigter Stufe entstehen. Ich habe Ihnen schon erwähnt, daß die Griechen, wenn sie in ihrer Art und in ihrem Sinne von dem Ahura Mazdao gesprochen haben, ihn Apollo genannt haben. In ihren Mysterien haben sie den Menschen erkennen lassen die tiefere Wesenheit dieses Apollo. Vor allen Dingen haben sie in Apollo denjenigen Geist gesehen, welcher nicht nur die physischen Sonnenkräfte dirigierte, sondern auch die geistigen Sonnenkräfte lenkte und sie auf die Erde leitete, Und wenn die Lehrer in den apollinischen Mysterien ihren Schülern haben reden wollen von den geistig-moralischen Einflüssen Apollons, dann haben sie davon gesprochen, daß Apollon die ganze Erde durchklingt mit der heiligen Sphärenmusik, das heißt aus der geistigen Welt herunter die Strahlen schickt. Und eine Wesenheit haben sie in Apollon gesehen, die begleitet ist von den Musen, von seinen Helferinnen. Eine wunderbar tiefe Weisheit liegt in diesem Apollon, der begleitet ist von den neun Musen. Wenn Sie sich daran erinnern, daß der Mensch aus verschiedenen Gliedern seiner Wesenheit besteht, aus physischem Leib, Atherleib, Empfindungsleib, Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele und so weiter, so können Sie sagen: Der Mensch ist ein Ich-Mittelpunkt und dieser vereinigt um sich sieben oder neun Glieder, die seine Wesensteile sind. Steigen wir von der menschlichen Wesenheit zu einer göttlichen Wesenheit hinauf, dann müssen wir uns dasjenige, was das Ich ist, als diese geistige Wesenheit denken, und was die Glieder sind, ist für die göttliche Wesenheit das, was ihre Helfer sind: einzelne Individualitäten. Wie den Menschen seine einzelnen Glieder, der physische Leib, der Atherleib, der astralische Leib und so weiter zusammensetzen, sich um sein Ich gruppieren, so gruppierten die Musen sich um Apollo. Und auch dasjenige, was im Zusammenhange mit einer solchen Sache den Einzuweihenden des apollinischen Mysterienkreises gesagt wurde, das ist von einer tiefen Bedeutung. Ihnen wurde ein Geheimnis anvertraut, wie man sagt, daß der Gott wiederum auf eine besondere Weise im sechsten Zeitraume zu den Menschen sprechen soll, der im zweiten Zeitraume zu Zarathustra in so besonderer Weise gesprochen hat. Das suchte man zum Verständnis zu bringen, indem man sagte: Im sechsten Zeitraume wird ApollosLied auf der Erde an seinem Ziele angekommen sein. — In diesem Satze, der gang und gäbe war bei den apollinischen Mysterienschülern, daß im sechsten Zeitraume Apollons Lied an seinem Ziele angekommen sein werde, war ausgedrückt die Wiederholung des zweiten Zeitraumes der Erdenentwickelung im sechsten auf einer höheren Stufe.
Cite:
GA 113/1909-08-30/p010 · edition original