Achter Vortrag
Das durchchristete Erkennen des ersten nachatlantischen Zeitraumes, das steht den gegenwärtigen Menschen als ein hohes Ideal vor; zu einer solchen Empfindungsweise, zu einer solchen Anschauungsweise wieder zu kommen, wie sie vorhanden war auf einer niedrigeren Stufe in der ersten nachatlantischen Zeit. Wiederum soll am Schlusse unserer nachatlantischen Zeit in einer gewissen Weise der Mensch, wenn er den Weg hinausgeht in die äußere Sinnenwelt und das Geoffenbarte hineinarbeitet in die eigene Seelenwelt, erkennen, daß ihn diese beiden Wege zu einer Einheit führen. Deshalb ist es gut, wenn man sich ein wenig hineinversetzt in dieses für heutige — wir stehen ja in der Zwischenepoche — Gefühle ziemlich fernliegende altindische Fühlen und Denken. Selbst wenn man nur einige Züge herausgreift, so merkt man etwas von dem ganz anders gearteten Fühlen und Denken, von der ganz andersartigen Stellung zur Weisheit und zum Leben, die dazumal bei einem nicht so zum Ich-Bewußtsein geweckten Menschenwesen vorhanden waren. Dasjenige, was dann in den Veden niedergeschrieben worden ist, das ist die Lehre der ersten großen Lehrer des alten Indien, der heiligen Rishis. Es muß hier auf die Tatsache hingewiesen werden, daß die heiligen Rishis ihre Anregung empfingen von jener hohen Individualität, welche die Völker der alten Atlantis hinübergeführt hat durch das heutige Europa nach Asien hinein. In gewisser Beziehung waren die heiligen Rishis die Schüler dieser hohen Individualität, des Manu. Und was hat ihnen der Manu vermittelt? Vermittelt hat er ihnen die Art und Weise, wie sie dazumal zu der ersten nachatlantischen Weisheit und Erkenntnis gekommen sind. Zur Erkenntnis kommen, wie das heute der Fall ist, dadurch, daß man die äußere Natur beobachtet, daß man sich in das Innere seiner Seele versenkt, wie sie heute erst möglich geworden ist, das alles hätte dazumal keinen Sinn gehabt.
Cite:
GA 113/1909-08-30/p012 · edition original