Achter Vortrag

GA 113/1909-08-30/p013 ·1909-08-30 · original (original)
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In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit, im altindischen Volk, war der Ätherleib noch weit mehr außerhalb des physischen Leibes als heute. Der alte Inder konnte sich dieses Atherleibes und der damaligen Organe dieses Ätherleibes noch bedienen, wenn er nicht aufging im Leben des physischen Leibes, sondern sich hingab dem Ätherleib, wenn er sozusagen vergaß, daß er im physischen Leibe steckte. Wenn er dies tat, dann spürte er, wie wenn er herausgehoben wäre aus sich selbst; wie wenn er sozusagen wie das Schwert aus der Scheide herausgehoben wäre. Indem er das verspürte, empfand er auch etwas von dem, was man so schildern kann: man sieht nicht durch Augen, man hört nicht durch Ohren, man denkt nicht durch den physischen Verstandesapparat, man bedient sich der Organe des Ätherleibes. Das tat er. Dann aber trat vor ihm die lebendige Weisheit auf; nicht Gedanken, die Menschen denken können oder gedacht haben, sondern die Gedanken, nach denen die Götter draußen die Welt geformt haben. Dasjenige, was wir heute Gedanken nennen, was wir fabrizieren mit dem Instrument des Gehirns als Gedanken, das kannte überhaupt der wirklich im geistigen Leben stehende Inder nicht. Spintisiert, ausgedacht, verstandesmäßig überlegt hat der eben gar nicht, sondern bei ihm war es so,daß er herausstieg aus dem physischen Leib und in dem Ätherleib schaute. Um ihn herum war, wie eine momentane Gabe der göttlichen Welt, die ganze kosmische Summe der Gottesgedanken, aus denen hervorgesprossen ist die Welt. Wie die Götter gedacht haben in den Musterbildern für alle Dinge, das stand vor seinem Äthersinnesorgan, das schaute er. Er brauchte nicht logisch zu denken. Warum müssen wir logisch denken? Wir müssen das aus dem Grunde, weil wir durch das logische Denken die Wahrheit erst finden sollen, weil wir uns irren können, wenn wir unsere Gedanken in Verbindung bringen. Wären wir so organisiert, daß sich der richtigeGedanke an den richtigen Gedanken im unmittelbaren Erfühlen reihte, dann brauchten wir keine Logik. Der alte Inder brauchte keine Logik, er schaute die Gedanken der Götter, und die waren schon von selbst richtig. So hatte er um sich gewoben ein ätherisch-kosmisches Netz, gewoben aus den Gedanken der Götter. Er schaute zu gleicher Zeit in diesem Gedankengewebe, das ihm wie ein die Welt durchwebendes Seelenlicht schien, die urewige Weisheit. So, in dieser höchsten Vollendung, wie ich es Ihnen eben geschildert habe, konnten es allerdings nur die heiligen Rishis, und sie konnten aus diesem Schauen heraus verkünden die großen Weltenwesenheiten. Was hatten sie dann also für eine Empfindung? Sie hatten die Empfindung, daß mit diesem Weltengewebe von Weisheit, in dem alles eingeschrieben war in lebendigen Vorbildern, das Ganze durchwoben und durchströmt von der Seele des Lichtes, in sie einströmte die Wahrheit, die Erkenntnis. So wie der spätere Mensch das Gefühl hat, daß etwas in ihn einströmt, wenn er die Atemluft einsaugt, so hatte der alte Inder das Gefühl, daß ihm die Götter entgegenschickten die Weisheit, und er sie einsaugt, so wie uns die Atemluft entgegengeschickt wird, die wir dann einsaugen. Seelenlicht, und dieses Seelenlicht durchgeistigt von Weisheit, sogen die alten heiligen Rishis ein, und sie konnten das, was sie so einsogen, lehren denjenigen, die ihre Bekenner wurden. Dafür konnten sie aber auch sagen: alles dasjenige, was sie verkünden, ist ausgehaucht von Brahman selber. Das ist sogar der tiefe, wörtlich richtige Ausdruck: «Ausgehaucht ist es von Brahman und eingeatmet von den Menschen.» Dies war die Stellung der heiligen Rishis zu der Weisheit der Welt, zu dem, was sie verkündeten, was dann in den verschiedenen Partien der Veden, man könnte sagen, nur in schwachen Bildern niedergeschrieben ist. Denn dasjenige, was die heiligen Rishis lehrten, ist eben nur in schwachen Nachbildern in den Veden niedergeschrieben. Und wenn die Veden heute gelesen werden, so sollten sich die Menschen bewußt sein, daß das schwache Nachbilder sind der ursprünglichen heiligen Weisheit der Rishis. Dennoch aber müssen wir in den Veden etwas anderes sehen, als was wir sonst in Schriftwerken finden. Wir können in der Welt die mannigfaltigsten Schriftwerke finden, wir können auf diesem oder jenem Standpunkte stehen, wir können sagen: Ein inneres, seelisches, durchchristetes Leben tritt uns zum Beispiel im Johannes-Evangelium entgegen; wenn wir aber den Ausdruck nehmen, der uns darinnen gegeben ist, den äußeren Ausdruck des Johannes-Evangeliums, so steht er seinem Inhalte ferner als das, was in den Veden steht, zu seinem Inhalte. Es ist ein innigerer Zusammenhang zwischen dem Ausdrucke und dem Inhalte der Veden, weil unmittelbar sozusagen eingeflossen und wiedergegeben worden ist im Vedenworte das, was eingeatmet worden ist; während der Schreiber des Johannes-Evangeliums die tiefen Weistümer so geschrieben hat, daß er sie empfangen und sie hinterher niedergeschrieben hat, und der Ausdruck weiter absteht von dem, was der Inhalt ist.

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