{"corpus":"steiner","locus":"GA 113/1909-08-30/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Diese Dinge müssen uns klar sein, wenn wir die Weltenentwickelung wirklich verstehen wollen. Daher müssen wir empfinden, daß es ein natürliches Gefühl ist, wenn der Christ sagt: «Ich schätze das Johannes-Evangelium über alles», wenn der Christ aber auch das Bedürfnis hat, nicht bei dem Worte dieses Evangeliums stehenzubleiben, sondern durchzudringen, wie es die Geist-Erkenntnis tut, zu dem spirituellen Gehalt dieses Johannes-Evangeliums, wenn er sagt: «Mir wird es erst dadurch, was es sein soll, daß ich durchdringe zu demjenigen, was da im äußeren Ausdrucke gegeben ist.» Derjenige aber, der sich in der richtigen Weise zu den Veden stellen will, der muß sich wie der alte Inder dazu stellen, das heißt er muß sagen: «Dasjenige, was in den Veden selbst steht, hat kein Mensch hinterher bloß nachgeschrieben als Ausdruck der göttlichen Weisheit, sondern das ist unmittelbar eine Nachbildung dessen, was eingeatmete Weisheit ist.» Daher ist das Vedawort, daher sind die Teile der Veden, namentlich der Rig-Veda, nicht nur Urkunden über Heiliges, sondern selbst ein Heiliges für diejenigen, die empfanden, wie der Zusammenhang ist. Und dadurch die unendliche Verehrung des Veda selber wie eines göttlichen Wesens in alten Zeiten. Das müssen wir nur verstehen. Und wir müssen es verstehen aus der Seele des alten Inders heraus. Und wir müssen mancherlei lernen, weil wir ja einem Ideale entgegengehen, dem Ideale, die erste Kulturepoche in Erhöhung wiederzufinden, das heißt wieder zu begründen. Wir müssen etwas von dem lernen, was zum Beispiel gesagt wird in bezug auf das Vedawort, daß Baravadscha durch drei Jahrhunderte hindurch den Veda studiert hat. Der heutige Mensch wird glauben, wenn er drei Jahrhunderte den Veda studierte, daß er ungeheuer vieles wüßte; er wird verhältnismäßig schon, wenn er viel kürzere Zeit ihn studiert hat, glauben, daß er vieles weiß. Da kam, so wird uns erzählt, eines Tages zu Baravadscha der Gott Indra und sagte zu ihm: «Du hast jetzt durch drei Jahrhunderte den Veda studiert; siehe einmal, drei hohe Berge sind da, mächtig hohe Berge! Der eine bedeutet den ersten Teil des Veda, den Rig-Veda, der zweite Berg bedeutet den zweiten Teil des Veda, den Sama-Veda, und der dritte Berg bedeutet den dritten Teil des Veda, den Yagur-Veda. Du hast sie studiert, diese drei Vedenteile, durch drei Jahrhunderte.» Dann nahm der Indra drei kleine Klumpen von Erde, gerade so viel als man in einer Hand halten kann, aus diesen Bergen heraus und sagte: «Sieh dir diese Klumpen an! Soviel weißt du jetzt von den Veden, wie sich diese Klumpen verhalten zu den großen, mächtigen Bergen.» Verwandeln Sie einmal dies, was da ausgesprochen wurde, in ein Gefühl, dann heißt es: treten Sie an die höchste Weisheit heran, sei es in dieser oder jener Form, auch in der Form, wie sie uns heute entgegentritt, wo wir berufen sind, nicht aus Büchern, sondern aus dem, was in der Welt steht, durch die Botschaft des Rosenkreuzes wiederum die Weisheit zu suchen, und wenden Sie das an auf dasjenige, was uns als Geistes-Erkenntnis gegeben wird, und fühlen Sie so und stellen Sie sich in der richtigen Weise dazu, so werden Sie kaum sagen können von sich, daß Sie soviel von Geist-Erkenntnis gehört haben wie Baravadscha damals von den Veden; aber es sollte sich dieses Gleichnis von Baravadscha ein jeder gesagt sein lassen, dann wird er gefühlsmäßig in das richtige Verhältnis sich setzen zur umfassenden Weisheit der Welt. Und von solcher Art wird dieses Gefühl sein, daß ein Unendliches empfunden wird, von dem wir immer nur einen kleinen Klumpen haben können. Dadurch bekommen wir auch die richtige Sehnsucht, in der richtigen Weise vorzuschreiten und Geduld zu haben, bis sich wieder ein kleines Klümpchen anserzt. Die Ahnung gehört zu den allerwohltätigsten Gefühlen der Menschenseele. Vieles kann gelernt werden aus der uralten Weisheit des Orients; zu dem Wertvollsten, was gelernt werden kann aus diesem Lichte, gehören solche Dinge, die sich auf unser Gefühl und unsere Empfindung beziehen; und das ist etwas von demjenigen, was der Gott Indra dem Baravadscha als eine Art von Anleitung gab, sich in der richtigen Weise zu den Veden zu stellen. Solche Gefühle von heiliger Scheu, von Ehrfurcht müssen wir uns wieder erringen, wenn wir entgegengehen wollen einem Zeitraume, wo wir hineinschauen dürfen in das, was die Verkündigung der neueren Mysterien ist, wo wir wiederum hineinschauen in jenen Weisheitsteppich, der aus den göttlichen Gedanken gewoben ist und nicht aus den Menschengedanken. Das ist auch das allerbeste, was wir an Gefühlen lernen. Aber wir wollen nicht glauben, . daß wir diese Gefühle im gewöhnlichen Bewußtsein schon haben, sondern wir müssen uns klar sein, daß zu den höchsten Gefühlen der Weg eben durch das Wissen geht. Und wenn man den Gedanken umgehen will, wenn man zu bequem ist, so durch die Atherhöhe der Gedanken die Gefühle zu suchen, so wird man bei den gewöhnlichen trivialen Gefühlen bleiben und sie nur verwechseln mit dem, was innere Versenkung der Seele in die Göttlichkeit ist. Solche Gefühle, wie sie im alten Indien zu finden waren, gehörten als ein Grundzug der ganzen Weisheit im ersten nachatlantischen Zeitraume dazu, um in der richtigen Weise sich damals zur Welt zu stellen und eine Einheit zu empfinden in den geistigen Welten, die man findet, wenn man den Weg nach auswärts oder einwärts sucht. Bei allen folgenden Kulturen muß sich ein anderes zeigen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Achter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-08-30","location":null,"word_count":867,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-30/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-30/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/113/1909-08-30/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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