{"corpus":"steiner","locus":"GA 113/1909-08-30/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Während in dem alten Indien eine Vereinigung ist der beiden Wege, gehen die folgenden Zeiträume, der urpersische Zeitraum, der chaldäisch-ägyptische Zeitraum, der griechisch-lateinische Zeitraum in bezug auf die beiden Offenbarungen von innen und außen die Wege, die wir als eine Gabelung bezeichnen können. Auf der einen Seite haben wir die Offenbarung von außen, auf der anderen Seite die Offenbarung von innen. So ist es schon in dem zweiten Zeitraum der nachatlantischen Kulturen. Da haben wir auf der einen Seite nicht nur den Weg des Volkes, sondern auch den Weg der Mysterien, sowohl nach außen in das Reich des Ahura Mazdao, als nach innen, Was man innerhalb der altindischen Denkweise noch lebendig erschaut hat, das einheitlich hinter den beiden Geisteswelten Dahinterstehende, das war für den zweiten nachatlantischen Zeitraum etwas, was gleichsam schon dem Blicke entschwunden war, was schon in einem undurchdringlichen Untergrunde des Daseins war, wovon man noch eine Ahnung hatte, was aber nicht mehr in der Seele leben konnte. Der alte Inder fühlte: «Da gehe ich hinaus, auf der anderen Seite gehe ich hinein und komme zur Einheit.» Der Perser ging den Weg nach außen und sagte, wenn er sich an die Lehre des Zarathustra hielt: «Ich komme zu Ormuzd!» und wenn er den Weg nach innen ging: «Ich komme zu der Wesenheit des Mithras!» Aber es schlossen sich ihm diese zwei Wege nicht mehr zusammen. Er ahnte nur noch, daß sie sich zusammenfinden müssen irgendwo. Daher sprach er von dem Wesen als dem Unbekannten im Dunkel, das man nur ahnen kann, dem unbekannten Urgotte, Das war nur noch ein urgeistiges Wesen, von dem man wußte, daß es dasein muß, das man aber nicht mehr finden konnte. Zaruana akarana, das war der Name für diesen im Dunkel wesenden, aber nicht mehr auf den beiden Wegen erreichbaren persischen Gott. Was man erreichen konnte, war das, was hinter dem Teppich der äußeren Sinneswelt lag. Da war zunächst dasjenige, auf was Zarathustra hinwies. Also etwas, was schon ein Abkömmling war des Zaruana akarana. Es war der Gott Ahura Mazdao, der Herrscher im Reiche der Sonnengeister, in dem Reiche, aus dem die wohltätigen Wirkungen herunterkamen, die im Gegensatz zu den physischen Sonnenwirkungen als die geistigen zu bezeichnen sind, der Geist, von dem zum Beispiel der alte Perser das ableitete, was an Sittenregeln und an Gesetzen vorhanden war, was der Eingeweihte — der war es, der sich durch die Einweihung zu den Sittenregeln und Gesetzen hinaufschwang - herunterholte als Sittengesetze, als Gesetze des menschlichen Handelns, der menschlichen Verrichtungen und so weiter. Das also war der eine Weg; und man sah sozusagen in höchster Region diesen Geist, der der Geist der Sonne ist, walten; da sah man seine Diener, die Amshaspands, diejenigen, die sich gleichsam um seinen Thron herumstellten, die seine Boten waren. Während er das gesamte Reich regierte, lenkten diese die einzelnen Teile. Untergeordnetere Wesenheiten, welche wiederum unter den Amshaspands stehen, sind diejenigen, die man gewöhnlich die Izets oder Izarats nennt. So daß der alte Perser hinausblickte in das Reich hinter den Teppich der Sinnenwelt, und eine höchste geistige Wesenheit sah: Ahura Mazdao und unter ihm ein Korps von Amshaspands; dann wiederum untergeordnetere Wesenheiten, die Izets oder Izarats; und es gab noch Wesenheiten, von denen wir sagen können, daß sie dasjenige sind in der geistigen Welt, was die Gedanken der Menschen in der Seele sind. Diese Gedanken in der menschlichen Seele sind ja nur Schattenbilder ihrer Wirklichkeiten; draußen in der spirituellen Welt entsprechen unseren Gedanken gewisse geistige Wesenheiten. Für die altpersische Auffassung waren diese Wesenheiten, die man Fravashis nannte, diejenigen, die sozusagen unmittelbar über dem Menschen standen. So also dachte man sich innerhalb der persischen Entwickelung das Reich hinter dem Teppich der Sinnenwelt mit einer Stufenfolge von geistigen Wesenheiten bis hinauf zu Ormuzd. In dem Augenblick aber, wo man nicht den völligen Einklang sieht zwischen dem geistigen Reiche, das man findet auf dem Wege nach außen, und dem geistigen Reiche, das man findet auf dem Wege nach innen, da hängt es schon im hohen Grade von dem Menschen ab, wie er namentlich das Reich im Innern sieht. Nun war aber auch die ganze Natur den persischen Menschen eine andere geworden, als es die Natur den altindischen war. Diese Eigentümlichkeit, den Atherleib noch so weit draußen zu haben, die hatte der Angehörige der altpersischen Menschheit nicht mehr; da war schon der Atherleib viel weiter in den physischen Leib hineingeschlüpft. Daher konnten sich die Angehörigen des altpersischen Volkes nicht mehr der Organe des Ätherleibes bedienen, wie die Angehörigen des altindischen Volkes das konnten. Die Organe, deren sich die Angehörigen des altpersischen Volkes bedienten, waren diejenigen Organe, die ursprünglich dem Menschen eingegliedert waren in dasjenige, was wir heute den Empfindungsleib nennen. Sie wissen ja, daß wir am vollständigen Menschen zu unterscheiden haben den physischen Leib, den Ätherleib, den Empfindungsleib, die Empfindungsseele, die Verstandesseele, die Bewußtseinsseele, dann dasjenige, was man Geistselbst nennt, dann den Lebensgeist, und schließlich den eigentlichen Geistmenschen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Achter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-08-30","location":null,"word_count":811,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-30/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-30/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/113/1909-08-30/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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