{"corpus":"steiner","locus":"GA 113/1909-08-30/p030","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So sehen wir, wie auch in der Benennung der Götter sich ausdrückt das, was sich herangebildet hat im ganzen Volkswesen. Wenn der Angehörige dieser chaldäischen Welt dann den Weg nach innen antrat, so sagte er, er komme durch den Schleier des Seelenlebens in eine Welt untermenschlicher oder unterirdischer Götter. Adonis ist etwa ein späterer Name für diejenigen Wesenheiten, die sie gefunden haben auf dem Wege nach innen. Nur für die Eingeweihten war dieser Weg der gangbare, denn mit großen Gefahren war er verbunden für die Uneingeweihten. Aber der Eingeweihte erlebte dafür auch, wenn er diesen Weg ging, wenn er sich so entwickelte, daß er hinausgelangte in die Welt, die unter dem Schleier des Seelenlebens liegt — er erkannte etwas, was sich vergleichen läßt mit Erlebnissen der Einweihung von heute. Denn wir nähern uns schon den Eigentümlichkeiten, die immer mehr und mehr zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit sich herausbilden. Derjenige, der im alten Chaldäertume eingeweiht wurde, der machte zwei Erlebnisse durch, und man sorgte dafür, daß er diese zwei Erlebnisse möglichst so machte, daß sie zusammenfielen, daß er also den Weg betrat nach außen in die geistige Welt hinein und nach innen in die geistige Welt hinein, so daß er wenigstens ein Gefühl erhielt von einem gemeinschaftlichen Weben und Leben des Geistigen draußen und drinnen. Und dann erlebte er auf dem Wege nach innen die Begegnung mit jenem geistigen Wesen, das man innerhalb des Chaldäertums Istar nannte und von dem man wußte, daß es zu den wohltätigen Mondgottheiten gehörte. Istar stand da an der Schwelle, die sonst den Menschen verschließt, was hinter dem Seelenleben an Geistigkeit steht. Und auf der anderen Seite, wo man das Tor findet in die geistige Welt durch den Teppich der äußeren Sinneswelt, da stand der andere Hüter: Merodach oder Marduk. Merodach, er stand mit Istar da. Merodach, den wir mit dem Hüter der Schwelle, mit dem Michael vergleichen können, Merodach und Istar waren es, welche das Innere der Seele hellsehend machten und den Menschen nach den beiden Seiten hin in die geistige Welt einführten. Daher erlebte der Mensch durch diese Begegnung das, was man symbolisch auch heute noch so empfindet: Es wird dem Menschen der leuchtende Kelch gereicht, das heißt der Mensch lernt den allerersten Gebrauch seiner Lotusblumen noch tastend kennen. — Dann schreitet er allmählich weiter. So sehen Sie, wie schon _ das Überschreiten einer gewissen Schwelle in dieser Epoche notwendig ist. In Ägypten ist es etwas anders, aber doch ähnlich.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Achter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-08-30","location":null,"word_count":406,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-30/p030","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-30/p030"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/113/1909-08-30/p030"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}