Achter Vortrag
So schritt die Menschheit weiter auf ihrem Wege zur Entwickelung in unsere Zeit hinein. Dann aber rückte der Zeitpunkt heran, der vorbereiten sollte das Herabkommen des kosmischen Sonnengeistes auf die Erde. Der Geist, der vorher äußerlich war, sollte nun hineintreten in die menschliche Seele, daß er im Innern zu finden ist; wie früher die luziferischen Gottheiten zu finden waren, wie Osiris im Innern zu finden war. Die beiden Wege, die sich deutlich im Gegensatze bei den Chaldäern und Ägyptern zeigten, sollten sich gegenseitig befruchten. Das mußte geschehen. Wie konnte das geschehen? Es konnte dadurch geschehen, daß ein Bindeglied geschaffen wurde. Dieses Bindeglied geht aus von Ur in Chaldäa, wie richtig die Bibel vom hebräischen Volk erzählt. Da nimmt es jene Offenbarungen mit, die von außen kommen. Dann geht es nach Ägypten, nimmt auf, was von innen kommt, und vereinigt beides, so daß zum erstenmal in Jahve eine Wesenheit voranleuchtend auftritt für Christus, welche die beiden Wege vereinigt. Was frühere Götter waren, das wird jetzt von zwei Seiten her dem Menschen kund. Wie später der Christus innerlich beleuchtet wird, so wird wenigstens von außen beleuchtet dasjenige, was früher als gewisse Götter in der Dunkelheit erscheint. So sehen wir, daß in Jahve oder Jehova eine Gottheit auftritt, die auf dem Wege nach innen gefunden wird, aber noch nicht durch sich selbst sichtbar wird, die nur sichtbar wird, wenn sie von außen beleuchtet wird. Das zurückgeworfene Christus-Licht ist bei Jehova. Da sehen wir deutlich nebeneinandertreten und sich gegenseitig befruchten diese beiden Richtungen, die uns jetzt so viel beschäftigt haben. Damit aber beginnt überhaupt etwas ganz besonders Neues im Entwickelungsgange der Menschheit. Jetzt beginnt, daß sich Äußeres und Inneres befruchten; jetzt beginnt das, wo das Innere zum Äußeren wird, wo in den Raum hinausdringt, um nebeneinander zu sein, dasjenige, was früher nur innerlich in der Zeit gelebt hat. Durchsuchen Sie Ihr Seelenleben einmal. Dieses ist nicht im Raume ausgebreitet, das verläuft in der Zeit. Die einzelnen Gedanken und Empfindungen sind hintereinander. Was draußen ist, das ist im Raume ausgebreitet, das ist nebeneinander. Daher muß jetzt das eintreten, was man nennt: das Hinausfließen von etwas, was bisher nur in der Zeit gelebt hat, in den Raum zum Nebeneinander. Das geschieht auch, daß etwas, was nur in der Zeit gelebt hat, im Raume nunmehr nebeneinanderlebt. Damit geschieht ein Wichtiges, und dieses drückt sich in ganz besonders tiefer Weise aus.
Cite:
GA 113/1909-08-30/p031 · edition original