{"corpus":"steiner","locus":"GA 113/1909-08-31/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Anders aber liegt die Frage bei dem Christus. Der Christus ist nicht zur Erde heruntergekommen auf einem zeitlichen Wege, der Christus ist, indem er zeitlich erschienen ist, auch dem Raume nach, von außen in die irdische Welt gekommen. Der Zarathustra hat ihn gesehen, indem er den Blick nach der Sonne hinaus gerichtet hat, und hat ihn angesprochen als Ahura Mazdao. Immer mehr und mehr hat sich für das menschliche Schauen im Raum dieser Ahura Mazdao genähert, bis er heruntergestiegen und Mensch geworden ist. Da interessiert also auch das räumliche Herankommen, nicht nur die zeitliche Folge. Das räumliche Herankommen, dieses Herankommen des Christus aus der Unendlichkeit des Raumes auf unsere Erde zu, das hat einen Ewigkeitswert, nicht bloß einen zeitlichen Wert. Damit hängt es dann auch zusammen, daß der Christus nicht auf der Erde so zu wirken hat, wie es dem Zeitenverhältnis allein entspricht, daß der Christus nicht auf die Erde so etwas bringt, wie es dem Verhältnis von Vater und Kind, von Mutter und Kind entspricht, was in der Zeit sich abspielt, sondern er bringt etwas in die Welt, was im Nebeneinander sich abspielt. Nebeneinander leben Brüder. Vater und Mutter und Enkel leben nacheinander in der Zeit, und das zeitliche Verhältnis drückt ihr eigentliches Verhältnis aus. Der Christus bringt aber als der Geist des Raumes etwas Räumliches auch in die Erdenkultur hinein. Was er hineinbringt, ist die Nebeneinanderstellung der Menschen im Raum, und das Verhältnis, das nun von einer Seele zur anderen immer mehr und mehr hinüberziehen soll im Nebeneinanderleben, gleichgültig wie sich das zeitliche Verhältnis regelt. Unsere Erde ist der Planet in unserem kosmischen System, der die Mission hat, in die Welt die Liebe einzuführen. Es war in alten Zeiten die Aufgabe der Erde, die Liebe einzuführen mit Hilfe der Zeit. Indem sich durch die Abstammungsverhältnisse das \"Blut von Generation zu Generation, vom Vater auf Kind und Enkel herunter ergoß, war dasjenige, was durch die Zeit verwandt war, zugleich dasjenige, was sich liebte. Der Familienzusammenhang, der Blutzusammenhang, das Herabströmen des Blutes durch die in der Zeit aufeinanderfolgenden Generationen, das war dasjenige, was die Liebe begründete in den älteren Zeiten. Und auch da, wo die Liebe einen mehr moralischen Charakter annahm, da begründete sie sich auf ein zeitliches Verhältnis. Man liebte die Ahnherren, diejenigen, die in der Zeit vorangegangen sind. Durch Christus kam die Liebe von Seele zu Seele, so daß dasjenige, was räumlich nebeneinander steht, in ein Verhältnis kommt, wie es die gleichzeitig nebeneinander stehenden Geschwister zunächst vorgebildet haben als die Bruderliebe, die die Menschen im Raume von Seele zu Seele einander entgegenbringen sollen. Hier beginnt das räumliche Nebeneinanderleben seine besondere Bedeutung zu gewinnen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1909-08-31","location":null,"word_count":435,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-31/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/113/1909-08-31/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/113/1909-08-31/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}