Neunter Vortrag
So also blicken wir auf das Weisheitselement, das in älteren Zeiten aus den luziferischen Welten heraus der Menschheit sich mitteilte. Wenn wir auf dieses schauen, schauen wir auf die Bodhisattvas. Nun gibt es aber in bezug auf die nachatlantische Entwickelung eine Wesenheit, die grundverschieden ist von den Bodhisattvas, die etwas prinzipiell anderes ist als ein Bodhisartva, und die man nicht mit dem Bodhisattva verwechseln darf, deshalb, weil sie einmal in einer menschlichen Individualität verkörpert war, die auch zu gleicher Zeit die Einströmungen des Bodhisattva als Buddha hatte. Weil einmal ein Mensch lebte, in dem der Christus sich verkörperte und zu gleicher Zeit in diese Menschenindividualität die Strahlen des Bodhisattva hineingingen, darf man es bei dieser Verkörperung nicht als Hauptsache betrachten, daß der Bodhisattva sich bei jener Persönlichkeit verkörpert hat. Das ist Jesus von Nazareth. Da überwiegt gerade während der drei letzten Jahre das grundsätzlich vom Bodhisattva verschiedene Christus-Prinzip. Wodurch können wir den Unterschied nun angeben von Christus-Prinzip und Bodhisattva-Prinzip? Das ist außerordentlich wichtig, daß man weiß, wodurch der Christus, der einmal in einem menschlichen Leib verkörpert war, nur einmal, nicht vorher und nicht nachher als Christus in einem Menschenleib verkörpert sein kann. Er ist seit jener Zeit zu erreichen auf dem Wege in das Innere der menschlichen Seele; er war vorher zu erreichen, wenn der Blick hinausgerichtet wurde in die Welt, wie ihn Zarathustra hinausgerichtet hat. Wodurch unterscheidet sich der Christus, dieses Prinzip, dieses Wesen, dem wir eine solche Mittelpunktstellung zuschreiben müssen, von einem Bodhisattva? Der grundsätzliche Unterschied des Christus von dem Bodhisattva ist der, daß wir den Bodhisattva nennen müssen den großen Lehrer, die Verkörperung der Weisheit, die durch alle Kulturen durchgeht, die in der verschiedensten Weise sich verkörpert. Der Christus aber ist nicht bloß Lehrer, das ist das Wesentliche! Der Christus lehrt nicht bloß die Menschen, der Christus ist eine Wesenheit, die wir am besten verstehen, wenn wir sie aufsuchen da, wo wir in schwindelnder Geisteshöhe sie finden können als ein Objekt der Initiation, und wo wir sie vergleichen können mit anderen geistigen Wesenheiten.
Cite:
GA 113/1909-08-31/p018 · edition original