Neunter Vortrag
Das aber, was die Menschen tun sollen, das wird in den Mysterien entsprechend vorbereitet. Eine jede Zeit hat ihre besondere Aufgabe; einer jeden Zeit obliegt es, die Wahrheit gerade in derjenigen Gestalt zu empfangen, die diese Wahrheit für die betreffende Menschheitsepoche annehmen muß. Dem alten Inder konnte man nicht eine solche Wahrheitsform geben, wie sie heute gegeben wird, ebensowenig dem alten Perser. Man mußte ihm die Wahrheit in der Gestalt geben, in welcher sie für seine Empfindungsfähigkeiten geeignet war. Daher mußte in der Zeit, die durch ihre sonstige Eigentümlichkeit geeignet war, den Christus auf der Erde zu empfangen - das ist im vierten Zeitraume, im griechischlateinischen -, die Wahrheit über den Christus und über die mit dem Christus zusammenhängende Welt auch in derjenigen Form an die Menschheit gebracht werden, wie es der damaligen Menschheit angemessen war. Zu glauben, daß in der Zeit, die unmittelbar auf die Christus-Offenbarung folgte, die ganze Wahrheit schon vorhanden war über den Christus, das heißt: überhaupt nichts wissen von dem Fortschritte des Menschengeschlechtes. Wer nur die Lehren der ersten Jahrhunderte nach dem Christus-Ereignis bewahren will, wer nur das, was da geschrieben und aufbewahrt ist, ansehen wollte als echte christliche Lehre, der weiß nichts von menschlichem Fortschritt, der weiß nicht, daß der höchste Lehrer der ersten christlichen Jahrhunderte den Menschen über den Christus nichts anderes hätte sagen können als dasjenige, was sie aufnehmen konnten. Weil aber die Menschen der ersten christlichen Jahrhunderte vor allem diejenigen waren, die sozusagen am tiefsten heruntergestiegen sind in die physische Welt, so konnten sie auch mit ihrem Verständnis verhältnismäßig sehr wenig aufnehmen an höheren Lehren über den Christus. Verhältnismäßig wenig konnte begriffen werden von der großen breiten Masse der Christen über die Christus-Wesenheit.
Cite:
GA 113/1909-08-31/p021 · edition original