Neunter Vortrag

GA 113/1909-08-31/p022 ·1909-08-31 · original (original)
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Wir haben gesehen, daß im alten Indien ein hohes hellseherisches Anschauen vorhanden war durch die damalige Stellung des Atherleibes zu den anderen Gliedern des Menschen, aber es war für dieses Anschauen noch nicht die Zeit gekommen, den Christus als etwas anderes zu sehen als einen in fernen Regionen jenseits der Sinnenwelt liegenden Geist, ihn als den Vishvakarman zu begreifen. In der Zeit der urpersischen Kultur war erst die Möglichkeit, den Christus zu ahnen hinter der physischen Sonne. Und so ging es weiter. Bei Moses war es möglich, den Christus zu schauen als Jehova in Blitz und Donner, das heißt schon ganz nahe der Erde. Und im Jesus von Nazareth sah man den Christus als Menschen verkörpert. Die Menschheit ist so fortgeschritten, daß im alten Indien noch die Weisheit aufgenommen worden ist durch den Ätherleib, in der urpersischen Periode durch den Empfindungsleib, in der chaldäisch-ägyptischen Periode durch die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Periode durch dasjenige, was wir Verstandesseele nennen. Und die Verstandesseele ist schon mit ihrem Verständnisse an die Sinneswelt gebunden. Ihr ging daher verloren der Blick über dasjenige, was über die Sinneswelt hinausgeht. Daher erblickte man in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten kaum mehr als dasjenige, was zwischen Geburt und Tod liegt und was sich unmittelbar nachher als das nächste Geistgebiet anreiht. Man wußte nichts von demjenigen, was durch viele Inkarnationen hindurchgeht. Das lag am menschlichen Verständnis. Man konnte nur das eine Stück des gesamten Lebens des Menschen begreiflich machen: sein Erdenleben und das sich anschließende Stück Geistesleben. Das finden Sie daher für die breiten Massen beschrieben. Das durfte aber nicht konserviert werden. Es mußte vorgesorgt werden, daß der Blick der Menschen sich hinaus erweitern könne über dieses Stück des Verständnisses; es mußte vorgesorgt werden, daß die umfassende Weisheit, die man damals hat haben können in der Hermeszeit, in der Moseszeit, in der Zeit des Zarathustra, in der Zeit der alten indischen Rishis, nach und nach wieder aufleben kann, daß wieder die Möglichkeit geboten werde, den Christus in immer breiterem Verständnisse zu begreifen.

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Cite: GA 113/1909-08-31/p022 · edition original