Siebenter Vortrag
Nun war durch gewisse Verhältnisse, die uns heute auch noch zum Teil klarwerden sollen, die Entwickelung des nathanischen Jesus etwas vorangeschoben, etwas beschleunigt worden. Das war ja dadurch auch möglich, daß in seinen Gegenden die Geschlechtsreife früher fiel. Aber es Jagen bei ihm noch ganz besondere Gründe vor, daß dasjenige, was sonst im vierzehnten Jahre eintritt, bei ihm im zwölften Jahre eintrat. Und so trat das, was sonst mit einundzwanzig Jahren eintritt, bei ihm mit neunzehn Jahren ein, und was sonst mit achtundzwanzig und fünfunddreißig Jahren vorgeht, das ereignete sich bei ihm mit sechsundzwanzig und dreiunddreißig Jahren. Das ist sozusagen das Schema der Entwickelung unseres irdischen Mittelpunktwesens. Wir haben nun zu beachten, daß wir bis zum zwölften Jahre leiblich den nathanischen Jesus vor uns haben, daß aber vom zwölften Jahre an in dem nathanischen Jesus weiterlebt das Ich des Zarathustra. Was heißt das eigentlich? Es heißt nichts anderes, als daß dieses Ich, dieses reife Ich, von dem zwölften Jahre angefangen, an des nathanischen Jesus Empfindungsleib, Empfindungsseele und Verstandesseele arbeitete und diese Eigenschaften der menschlichen Natur in der Weise ausarbeitete, wie nur ein so reifes Ich, das durch die verschiedensten Inkarnationen hindurch die Schicksale des Zarathustra-Ich durchgemachthat, die menschlichen Fähigkeiten ausarbeiten kann. So haben wir jene wunderbare Tatsache vor uns stehen, daß in den Leib des nathanischen Jesus hinein mit dem zwölften Jahre sich das Ich des Zarathustra verkörperte, daß es die Fähigkeiten in der Seele in der denkbar feinsten Weise ausarbeitete. Also es entwickelte sich ein Empfindungsleib heran, der imstande war, so hinaufzuschauen in den Kosmos, daß er die Empfindungen haben konnte von dem alten Ahura Mazdao, was dieser seiner geistigen Wesenheit nach ist; es entwickelte sich eine Empfindungsseele, welche das Wissen, die Weisheit in sich hegen konnte, die nach und nach sich erst auf Grundlage der Ahura-Mazdao-Lehre innerhalb der Menschheit entwickelte; und es entwickelte sich dann eine Verstandesseele, die das alles begriff, das heißt in Begriffe, in Worte, in leichtfaßliche Worte fassen konnte, was die Menschheit früher nur durch ihre geistigen Strömungen von außen erlangt hatte.
Cite:
GA 114/1909-09-21/p008 · edition original