Siebenter Vortrag
Dieses Zarathustra-Ich, das den Leib des nathanischen Jesus vom zwölften bis zum dreißigsten Jahre belebt hat, es war nunmehr außerhalb dieses Leibes. Eine andere Wesenheit drang jetzt in diesen Leib ein. Der Zeitpunkt, da dies geschah, da nun sozusagen ein «höchstes Ich» statt des Zarathustra-Ich in den nathanischen Jesus eindrang, dieser Zeitpunkt wird uns in allen Evangelien charakterisiert als derjenige der Johannes-Taufe im Jordan. Es ist schon bei Gelegenheit der Besprechung des Johannes-Evangeliums darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Taufe in jenen älteren Zeiten noch etwas ganz anderes war, als sie später geworden ist, wo sie nur ein Symbol ist. Sie wurde auch anders von Johannes dem Täufer vorgenommen. Die getauft wurden, sie wurden ihrer ganzen Leiblichkeit nach, mit ihrem ganzen Körper in das Wasser eingetaucht. Nun wissen Sie aber aus den verschiedenen vorbereitenden anthroposophischen Vorträgen, daß bei einer solchen Tatsache etwas ganz Besonderes geschehen kann. Schon im gewöhnlichen Leben, wenn der Mensch zum Beispiel dem Ertrinken nahe ist und einen Schock bekommt, tritt das ein, daß er sein bisheriges Leben wie in einem großen Tableau vor sich stehen hat. Das kommt daher, weil da für einen Augenblick das geschieht, was sonst nur nach dem Tode eintritt: der Atherleib wird herausgehoben aus dem physischen Leibe, wird frei von den Gewalten des physischen Leibes. Das vollzog sich bei den meisten Täuflingen des Johannes, und das vollzog sich besonders bei der Taufe des nathanischen Jesus: sein Ätherleib wurde herausgezogen. Und während dieses Momentes konnte in den Leib des nathanischen Jesus untertauchen und Besitz von ihm nehmen jene hohe Wesenheit, die wir die Christus-Wesenheit nennen.
Cite:
GA 114/1909-09-21/p014 · edition original