Vierter Vortrag
Wenn er das, was er als Erlebnisse hinter sich hat, vor sich bringt, indem er es nach rückwärts der Reihe nach durchgeht, dann bringt er es vor sich und ist dann hinter der Sache. Wenn er das ernsthaft macht, nicht schematisch und geschäftsmäßig, sondern wenn er wirklich in den Dingen weiter ganz lebendig drinnen lebt und sein Leben - wenn auch nur für wenige Stunden wie Erinnerungen, die er vor sich geschafft hat - vor sich gebracht hat, dann tritt für die Seele etwas ein, wenn diese Seele genügend auf sich achtzugeben vermag. Es tritt eben nur dann auf, wenn man in die Lage gekommen ist, genügend Aufmerksamkeit darauf zu verwenden: nämlich eine Art Grundton, als der man sich selber vorkommt. Da kann man manchmal erleben, daß man sich selber vorkommt in recht bitterem Grundton, recht sauerbitterem Grundton. Und wenn man - was wieder von der Entwickelung abhängt - recht sorgfältig mit sich zu Werke geht, wird man sich durch einen solchen Vorgang selten als ein süßes Wesen finden, sondern man wird sich in der Regel als ein recht bitteres Wesen vorkommen, wird einen recht bitteren Grundton empfinden. Das ist schon einmal so. Denn man gelangt auf diese Weise, wenn man die gehörige Aufmerksamkeit auf sich verwenden kann, in der Tat nach und nach zu dem, was man eine inspirierte Erkenntnis von sich selber nennen kann. Durch das Bittere geht es hindurch. Aber dann wird es tatsächlich so, daß man sich recht sehr als ein verstimmtes Instrument vorkommt. In der Welt der Sphärenharmonien gibt man zunächst gewöhnlich nur einen disharmonischen Ton ab.
Cite:
GA 115/1911-12-16/p013 · edition original