{"corpus":"steiner","locus":"GA 116/1910-02-02/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Diese Tatsache wird uns ja in tiefsinniger Weise ausgedrückt in der Schilderung des Sündenfalles, der in einer wunderbaren Imagination nichts anderes darstellt als das, was ich jetzt erzählt habe. Das wird im Alten Testament dargestellt, indem gesagt wird: Es wurde eingepflanzt dem Menschen die lebendige Seele von den göttlich-geistigen Wesenheiten. - Wenn diese lebendige Seele nun bloß so geblieben wäre, hätte der Mensch jetzt warten müssen, bis später durch die göttlich-geistigen Wesenheiten diese lebendige Seele, das heißt das noch unentwickelte Ich, reif geworden wäre, die Entscheidungen zu treffen. Nun kommen die luziferischen Einflüsse, in der Bibel dargestellt durch die Schlange. Dadurch kommt der Mensch dazu, nicht bloß instinktiv den Einströmungen des Jahve oder der Elohim zu folgen, sondern selber zu entscheiden über Gut und Böse. Aus einem Wesen, das bis dahin gelenkt und geleitet worden ist von den göttlich-geistigen Wesenheiten, ist der Mensch dadurch zu einem Wesen geworden, das selbst entscheiden konnte. Das wird auch in der Bibel ganz klar dargestellt, daß durch die Schlange, das heißt durch die luziferischen Wesenheiten, die Selbstentscheidung des Menschen herbeigeführt worden ist. Und dann tönen Ihnen, von Götterseite gesprochen, aus der Bibel die Worte entgegen: Der Mensch ist geworden wie einer von uns! — das heißt, von den Göttern. Oder wenn wir es radikal ausdrücken wollen: Der Mensch hat sich durch den luziferischen Einfluß etwas angeeignet, was sich bis dahin nur für Götter geziemt hat. Götter haben die Entscheidungen getroffen über Gut und Böse, nicht diejenigen Wesen, die von den Göttern abhängig waren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1910-02-02","location":null,"word_count":249,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/116/1910-02-02/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/116/1910-02-02/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/116/1910-02-02/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"stenogram","scope":"volume","note":"Shorthand transcript taken during the lecture — the strongest kind of lecture record in this corpus.","evidence":"Nach stenografischen Mitschriften","evidence_translation":"From shorthand transcripts","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}