Dritter Vortrag
Zunächst mußte dem Menschen gezeigt werden, was die Gottheit von ihm verlangt, wenn er ein selbstbewußtes Ich werden sollte. Und das wurde ihm gezeigt durch die Verkündigung auf dem Sinai, durch die Verkündigung der Zehn Gebote. Da hörten die Menschen durch Moses: Was du bisher entwickelt hast über Gut und Böse, das ist mangelhaft. Ich zeige dir, wie die Gesetze lauten würden, wenn du nicht heruntergestiegen wärest und für deine mangelhaften Eigenschaften die Entscheidung über Gut und Böse in Anspruch genommen hättest! — So steht das Gesetz vom Sinai, der Dekalog, zu dem, was der Mensch geworden war, so daß ihm heruntertönt aus den geistigen Welten, was das Richtige wäre gegenüber dem, was er als mangelhaft ausgebildet hat. Als ein ehernes Gesetz stehen die Zehn Gebote da, als eine Fackel, welche dem Menschen anzeigt alles, was er nicht geworden ist. Er soll sich diesem Gesetz unterwerfen mit all dem, was er geworden ist. Der Mensch konnte sich diese Zehn Gebote zunächst nicht selbst geben, weil er in seinem Entscheiden, in seiner eigenen Gesetzgebung mangelhaft geworden war. Daher mußten ihm die Zehn Gebote durch einen Inspirierten, durch Moses gegeben werden, das heißt durch göttliche Eingebung von oben. Aber sie waren so gegeben, daß sie alle auf das Ich gerichtet waren. Sie sagten dem Menschen, wie sich ein Ich benehmen muß}, wenn es das Ziel der Menschheit erlangen soll.
Cite:
GA 116/1910-02-02/p029 · edition original