Über das rechte Verhältnis zur Anthroposophie

GA 117/1909-11-13/p025 ·1909-11-13 · original (original)
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So ist es in bezug auf das Verhältnis nach dem Tode. Aber auch hier auf dem physischen Plan ist das Verhältnis ein anderes beim visionären Hellseher und bei dem denkenden visionären Hellseher. Gewiß ist es interessant und schön, hineinzusehen in die geistigen Welten; aber es ist trotzdem ein Unterschied, diese geistigen Welten bloß visionär zu sehen, abgesehen davon, daß man, ohne diese Dinge denkerisch zu durchschauen, niemals vor Täuschungen bewahrt bleibt. Es gibt kein anderes Mittel gegen Täuschungen, als das Geschaute erst klar zu denken. Aber selbst abgesehen davon: Nehmen wir an, es habe ein visionärer Hellseher dieses oder jenes geschaut, so wie er es schaut — das können Sie seinen Schilderungen entnehmen -, so ist es doch durchdrungen von Elementen des physischen Planes. Oder hat Ihnen irgendeiner einen Engel beschrieben, der nicht durchdrungen gewesen wäre von Elementen des physischen Planes? Er hat Flügel gehabt, Flügel haben aber die Vögel auch. Er hat einen menschlichen Oberleib gehabt, einen menschlichen Oberleib hat aber auch jeder Mensch auf dem physischen Plan. Gewiß, wie die Dinge zusammengesetzt sind, von denen der visionäre Hellseher erzählt, das ist nicht auf dem physischen Plan vorhanden; aber die Elemente dazu sind auf dem physischen Plan vorhanden. Die Bilder sind durchaus aus Elementen des physischen Planes zusammengesetzt. Das ist nicht unberechtigt. Aber Sie können daraus doch entnehmen, daß ein solches Bild einen Erdenrest hat. Was Sie da in Formen, in Bildern, die dem physischen Plan entnommen sind, an Ihren Schauungen haben, das gehört nicht der geistigen Welt an, das ist nur Versinnbildlichung der geistigen Welt mit Mitteln der physischen Welt. Ich habe das klar auseinandergesetzt in der «Geheimwissenschaft im Umriß». Ich habe da auseinandergesetzt, daß das wirklich für das heutige Hellsehen bis zu dem Punkte gehen muß, daß es zwar zuerst zu seiner Vorentwickelung seine Bildhaftigkeit hat, daß es aber nicht stehenbleiben darf dabei, sondern vorrücken muß bis zu dem Punkte, wo auch der letzte Erdenrest von dem, was geschaut wird, abgeworfen wird. Dann ist allerdings eine gewisse Gefahr vorhanden für den Hellseher, wenn er alle Erdenreste abstreift. Wenn er da zum Beispiel den Engel sieht und alles Irdische abstreift, so ist die Gefahr vorhanden, daß er dann nichts mehr sieht. Wenn er das wegläßt, was hinaufgetragen worden ist an Sinnbildlichkeit, dann besteht die Gefahr, daß er nichts mehr sieht. Was einen dann bewahrt, die Sache ganz zu verlieren, wenn man wirklich in die geistige Welt kommt, das ist der Same, der aus dem Denken aufgehen kann. Die Gedanken geben dann die Substanz her, das, was da ist in der geistigen Welt, zu ergreifen. Dadurch erhalten wir die Fähigkeit, wirklich in der geistigen Welt zu leben, daß wir das ergreifen in unserer sinnlichen Welt, was nicht mehr von Elementen der Sinnlichkeit durchsetzt ist und doch hier auf dem physischen Plane ist. Das sind einzig und allein die Gedanken. Wir dürfen nichts mitbringen in die geistige Welt als lediglich die Gedanken; von einem Kreis zum Beispiel nichts von der Kreide, sondern lediglich die Gedanken von dem Kreise. Mit diesen können Sie aufsteigen in die geistigen Welten. Von dem Bilde dürfen Sie nichts mitbringen.

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Cite: GA 117/1909-11-13/p025 · edition original