III. Die Evangelien
Die orientalische Philosophie drückte das so aus, daß sie sagte: Als der Bodhisattva herunterstieg auf die Erde, gab er die Krone des Bodhisattva an seinen Nachfolger ab. Dieser Nachfolger lebt heute noch als Bodhisattva. Er wird erst zur Buddhawürde emporsteigen dreitausend Jahre nach unserer jetzigen Gegenwart. Das ist derjenige, den die orientalische Philosophie den Maitreya-Buddha nennt. Dieser ist heute Bodhisattva und wird in dreitausend Jahren Maitreya-Buddha sein. Er hat eine andere Mission als der Gautama Buddha, die zusammenhängt mit Dingen, die die Menschen heute noch nicht aus sich heraus finden können. Das ist eine Linie der Entwickelung. So daß wir sagen können: Es ist tatsächlich aufgerückt jener Bodhisattva, der in sich enthält die Lehre von Mitleid und Liebe, zur Buddhawürde, und damit hat er seiner Mission einen gewaltigen Ruck gegeben. Dadurch, daß er dazumal, sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung, mit seiner ganzen Wesenheit in einem menschlichen Leibe war, hat er sich das Anrecht dazu erworben, nicht mehr in einem physischen Leib inkarniert zu werden auf der Erde. Tatsächlich war die Inkarnation von dazumal die letzte Inkarnation dieses Bodhisattva. Er brauchte nicht mehr im physischen Leib inkarniert zu werden, sondern brauchte nur noch herunterzusteigen bis zum Ätherleib. Alle folgenden Verkörperungen des Buddha sind also nicht solche, daß man ihn äußerlich auf dem physischen Plan sehen kann, sondern solche, daß man ihn nur sehen kann durch diejenigen Kräfte, die den Menschen fähig machen, den Ätherleib zu sehen. In der ganzen folgenden Zeit also verkörpert sich der Buddha nur in einem Ätherleib. Dasjenige, was der Buddha der Menschheit zu bringen hatte, ließ er nun einfließen sechshundert Jahre nach seiner Gegenwart auf der Erde in dasjenige, was durch das Christentum angebahnt worden ist. Er brachte sozusagen als Opfer dem sich begründenden Christentum dar, was er zu bringen hatte, er ließ es einfließen wie einen geistigen Nebenstrom in den großen Gesamtstrom. Das ist diejenige Strömung, die im Buddha ihren Höhepunkt erreicht. Das ist die eine Strömung.
Cite:
GA 117/1909-11-14/p022 · edition original