Das Ich, der Gott im Innern und der Gott der äusseren Offenbarung
Was heute draußen in der Welt gesprochen wird, das ist eine Sprache, die eigentlich nur für ein sehr beschränktes Gebiet gilt. In alten Zeiten, als die Menschen durch ihr altes, dämmerhaftes Hellsehen noch in die geistige Welt schauten, da bedeutete ihr Wort etwas, was in der geistigen Welt war. Das Wort bedeutete etwas, was in der geistigen Welt war. Selbst in Griechenland war das noch anders als heute. Das Wort «Idee», von Plato gebraucht, bedeutet etwas anderes als das Wort «Idee» von unseren heutigen Philosophen gebraucht. Diese heutigen Philosophen können nicht mehr Plato begreifen, weil sie keine Anschauung von demjenigen haben, was er Idee nannte, und es so verwechseln mit dem abstrakten Begriffe. Plato hatte noch vor sich das Geistige, wenn auch schon destilliert; es war sozusagen noch etwas völlig Reales. Da also hatte man in den Worten noch, wenn man sich so ausdrücken darf, den Saft des Geistigen vorhanden. Das können Sie in den Worten spüren. Wenn jemand heute das Wort «Wind», «Luft» gebraucht, nun, dann meint er etwas Äußeres, Physisches. Das Wort Wind entspricht da einem Äußeren, Physischen. Wenn man zum Beispiel im alten Hebräischen das Wort Wind «Ruach» gebrauchte, so meinte man nicht bloß etwas Äußeres, Physisches, sondern ein Geistiges, das da hinfegte durch den Raum. Wenn der Mensch einatmet — nun, heute sagt ihm die materialistische Wissenschaft, daß er einfach materielle Luft einatmet. In alten Zeiten, da hat man nicht geglaubt, daß man die materielle Luft einatmet; da war man sich klar, daß man Geistiges, wenigstens Seelisches einatmet.
Cite:
GA 117/1909-12-04/p026 · edition original