Sechster Vortrag

GA 117a/1910-01-10/p023 ·1910-01-10 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Das Blutsband, das die Menschen so stark an Stämme und Völker geknüpft hatte, begann allmählich, sich aufzulösen, indem die Menschen mehr und mehr «Fernehen» außerhalb des Stammes und Volkes eingingen. Infolge der Splitterung, die dadurch entstand, verfielen die Menschen mehr und mehr in Lieblosigkeit und Egoismus. Ein typisches Bild des herrschenden Zustandes gibt uns in diesem Fall die Geschichte Roms. Wäre der Christus damals nicht gekommen und hätte [er] der Welt [nicht] einen mächtigen Impuls zur geistigen Bruderliebe gegeben, so würden die Menschen mehr und mehr voneinander getrennt und zuletzt ganz einander entfremdet worden sein. Mit dem Christus empfing indessen die Welt einen neuen Impuls. Das Blutsband sollte nicht aufgelöst werden, aber die Liebe zu Vater, Mutter und Bruder sollte nicht länger das einzige Band zwischen den Menschen sein. Etwas Neues war dazugekommen, etwas, was viel höher und mächtiger als das Alte war, nämlich die allgemeine Nächstenliebe, die Seelenverwandtschaft, welche die Seelen miteinander vereint. «Wer da nicht vermag, die Geistesliebe höher zu schätzen als die Liebe zu Vater und Mutter, kann nicht mein Jünger sein.»

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/117a/1910-01-10/p023.json
Cite: GA 117a/1910-01-10/p023 · edition original